Meinung : Hört auf zu heulen!

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Der Lebenssinn eines Wirtschaftsministers ist es, gute Laune zu verbreiten. Dafür steht ihm ein rhetorisches Arsenal zu Gebote, das sich gewaschen hat, falls man das so sagen kann. Geht es steil bergab, sieht er Licht am Ende des Tunnels, bleibt es dennoch dunkel, wähnt er sich nahe der Talsohle. Bei kleinsten Anzeichen einer Erholung spricht er davon, dass die Wirtschaft über den Berg sei, ohne freilich zu erwähnen, dass es von dort nur noch bergab gehen kann. Es gibt auch Situationen, in denen überhaupt keine Prognose mehr taugt, dann sagt er: Hört auf zu heulen, das bringt auch nix. Nein, das meint er nur. Sagen wird er aber: Das Tal der Tränen ist durchschritten. Wolfgang Clement hat diese feinsinnige Formulierung jetzt gewählt, ohne allerdings zu sagen, wessen Tränen es waren. Und vor allem: Was kommt nach dem Tränental? Es könnte der Sumpf der Massenentlassungen sein, die dürre Hochebene der Stagnation oder der schreckliche Wald der Arbeitskämpfe, aus dem noch nie ein Euro lebend zurückgekehrt ist. Auch die Schlucht der Globalisierung weist gefährliche Abgründe auf, und wenn der ökonomische Wanderer die Abzweigung zum Dorf der Vernunft verpasst und in der Höhle der Fensterreden endet – dann muss er alle Hoffnung sinken lassen. Und rasch wieder zurück ins Tal der Tränen.

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