Hohe Energiepreise : Angst vor dem Ende des Öls

Der Ölpreis wird mit Sicherheit noch steigen, doch was sind die Alternativen? Bis ein Auto mit Windkraft angetrieben wird, braucht es noch einige Jahre.

Alfons Frese

Den Energieministern der größten Industrieländer geht es so, wie den deutschen Verbrauchern. "Ernsthaft besorgt" sind die Herrschaften über den Ölpreis und dessen Folgen. Zum Beispiel fürs Gas. Erst wird Öl teurer, ein paar Monate später Gas. So sicher wie der aktuelle Verdruss an der Tankstelle sind saftige Gaspreise demnächst. Weil der Preis seit den 60er Jahren ans Öl gekoppelt ist. Damals gab das Investoren die Sicherheit, um in den Aufbau der Gasinfrastruktur zu investieren. Heute gibt es dafür – außer dem Interesse der Gasförderländer – keinen Grund mehr. Im Gegenteil. Gas wäre günstiger, wenn der Preis sich über Angebot und Nachfrage bildete. Denn die Gasreserven halten voraussichtlich länger als die Ölreserven. Und Gas ist anders als Öl kein bevorzugtes Objekt der Spekulanten.

Die hatten am vergangenen Freitag mal wieder einen großen Tag, als sie den Ölpreis drastisch nach oben handelten. Zwei Ursachen gibt es dafür. Erstens die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, womöglich im Juli die Zinsen zu erhöhen. Das stärkte den Euro und schwächte den Dollar und machte Dollaranlagen damit unattraktiver. Die Anleger zogen Geld ab und steckten es in Öl. In der Folge schoss der Preis, der in den Tagen zuvor um rund zehn Prozent gesunken war, in die Höhe. Zweitens die Angst vor dem Ende des Öls. Erstmals hat vor ein paar Tagen mit Total ein Öl- und Benzinkonzern die Befürchtung geäußert, dass die Zeiten des schwarzen Goldes schneller vorbei sind als bislang erwartet. Voraussichtlich um 2020 herum wird der Höhepunkt der Förderung inklusive Tiefsee und Permafrostböden erreicht sein. Und da knappe Güter teure Güter sind, steigt der Preis. Dieser Trend ist von Dauer – auch wenn kurzfristig spekulative Schwankungen das Öl auch mal wieder billiger machen.

Also Alternativen. Zum Beispiel Gas. Vor allem die EU könnte hier im Rahmen der Energie- und der Wettbewerbspolitik eine marktkonforme Preisbildung forcieren. Und natürlich die Erneuerbaren. Aber bis ein Auto mit Windkraft von der Nordsee angetrieben wird, braucht es noch einige Jahre. Und viele Milliarden. Die Verbraucher können sich sicher sein: Energie wird noch teurer. Die wirksamste Gegenmaßnahme liegt allerdings nicht bei der Wettbewerbs- oder Ökopolitik, sondern in der Hand der Verbraucher selbst: Energie sparen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben