Meinung : Hohe Nase, tiefer Fall

Von Ursula Weidenfeld

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Das Jahrhundertprojekt A 380 der Firma Airbus wird nicht so schnell fertig wie gedacht. Nun muss das Unternehmen Milliardenverluste schultern, möglicherweise wird die Produktion neu organisiert, vielleicht wird Deutschland als Produktionsstandort für den Riesenairbus nicht mehr gebraucht. In jedem normalen Unternehmen wäre das schlimm genug.

Bei Airbus ist es noch schlimmer. Denn über allem, was dort passiert, wachen neben den Aktionären, den Beschäftigten und den Kunden auch der französische und der deutsche Staat, der eine als Miteigentümer, der andere als Mitgründer des Unternehmens. Jede unternehmerisch vernünftige Lösung muss bei Airbus auf ihre Politiktauglichkeit überprüft werden, oft genug müssen dann andere Wege gefunden werden. So ist jetzt kaum vorstellbar, dass Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zustimmen könnten, dass der A 380 ein rein französisches Produkt würde. Zu hoch waren die politischen Kosten, das finanzielle Engagement für den Ausbau des Airbus-Werks in Hamburg, zu viel Prestige verbinden die Münchner Airbus-Industriepolitiker mit dem Projekt.

Ein politisches Unternehmen zu sein, ist eine Herausforderung – eine Herausforderung, die für Airbus zunehmend schwieriger zu bewältigen ist. In den vergangenen Jahren hatte es das Unternehmen zwar geschafft, sich als Beispiel für vorbildliches strategisches Engagement des Staates zu profilieren: Ohne das politische Wollen Deutschlands, Frankreichs, Spaniens und Englands gäbe es vermutlich keinen bedeutenden zivilen Flugzeugbauer in Europa mehr. Dass Airbus überhaupt zu einem Konkurrenten für Boeing werden konnte, ist wohl dem Engagement der europäischen Länder zu verdanken. Doch die Politik hinterließ zuletzt immer stärkere Schleifspuren im Konzern. Die monatelange Führungskrise wurde zu spät gelöst, Korruption und Selbstherrlichkeit bis an die Spitze verstellten den Blick für das Comeback des Konkurrenten Boeing und für eigene Schwächen.

Dass der Konzern jetzt in die Krise rutscht, ist nicht zwangsläufig auf den politischen Einfluss zurückzuführen. Zu ehrgeizig waren die Pläne, den Superairbus schnell auf den Markt zu bringen. Zu fixiert war die Firma auf das eine Projekt, das den größten Teil der Management- und der technischen Kapazitäten band. Dass man darüber ein bisschen hochnäsig, ein bisschen verblendet angenommen hat, Konkurrent Boeing werde seine eigenen Probleme nie lösen, war noch dumm dazu.

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