Meinung : Hohn fürs Opfer

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Wegen Müdigkeitserscheinungen verhandlungsunfähig – selbst die amtsärztliche Diagnose über den mutmaßlichen Entführer, Peiniger und Vergewaltiger Mario M. ist für dessen Opfer ein Schlag. 20 Stunden hatte der Mann auf dem Dach der Dresdner Haftanstalt gestanden, im Licht der Öffentlichkeit, betreut von Polizisten und Psychologen. Muss man dem Angeklagten, der die dreizehnjährige Stephanie monatelang gequält hat, warme Decken und Kräutertee gegen die Nachtkälte anbieten? Er hätte doch in seine Zelle zurückkehren können. Dann aber soll er sich dem Gericht stellen, auch müde. Wer fragt danach, wie viele schlaflose Nächte das traumatisierte Mädchen verbringt? Das Verhalten der Behörden verhöhnt das Opfer – jenseits des rechtsstaatlichen Gebots einer fairen Prozessführung. Wen wundert es, dass Stephanies Familie fassungslos ist über die medienwirksame Präsenz dieses Scheusals? Erst hat die Schlamperei der Polizei das Martyrium des Mädchens verlängert, dann muss die Familie Schmerzensgeld erstreiten und nun diese Justizpanne ertragen. Wiegt Täterschutz doch mehr als Opferschutz? gn

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