Meinung : Holocaust-Gedenken: Demonstration der Unwilligen

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Mehrere tausend Menschen haben am Platz des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 56 Jahren gedacht. - So begann eine der Nachrichten über diese zentrale Veranstaltung vom Sonnabend. Am Tag zuvor, einem Freitag, hatte Bundespräsident Johannes Rau während der Gedenkstunde des Bundestages dazu aufgerufen, sich mit dem Unwillen vieler Menschen gegen Form und Ausmaß des Gedenkens zu befassen, vor allem gegen staatlich verordnetes Gedenken. Rau nannte unter anderem das geplante Holocaust-Mahnmal und Gedenkstunden wie jene des Bundestags. Mehrere tausend Menschen also kamen am Tag nach der Rede von Rau zusammen, um gemeinsam an eben jenem Mahnmal zu gedenken. In der Versammlungsgeschichte der Hauptstadt Berlin ist das ein eher marginales Ereignis. War das nun genau jenes Zeichen von Unwillen, das Rau meinte? Vor fünf Jahren hatte Raus Vorgänger Roman Herzog diesen 27. Januar zum Gedenktag ausgerufen. Er wurde staatlich verordnet, sozusagen. Aber auf freiwilliger Basis. Die Abgeordneten werden zumindest den moralischen Druck gespürt haben, am Freitagnachmittag auch nach der Rentendebatte noch auszuharren. Bei den öffentlichen Gedenkveranstaltungen aber sah es überall aus wie in Berlin: Mehr als ein paar Hundert Menschen kamen nirgendwo zusammen. Die Demonstration der Unwilligen war mächtiger.

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