Homophobie : Kultureller Komment

Darf singen, darf nicht singen, darf singen. Darf nicht singen? Sizzla, der homophobe Hassmusiker, ist auch einer der profiliertesten Reggaesänger seiner Heimat Jamaika.

Jost Müller-Neuhof

Homosexuellen-Verbände und Politiker wollen seine Auftritte in Deutschland verhindern. Seine Fans wollen ihn hören und sehen. Was also macht man mit so einem in der toleranten Weltmetropole Berlin?

Um eines klarzustellen: Hetze gegen Homosexuelle ist nicht zu akzeptieren, schon gar nicht, wo sie leider gerade bei Jugendlichen wieder in Mode zu kommen scheint. Sizzla, bürgerlich Miguel Collins, veröffentlicht Alben im Karnickeltakt, zwei davon sind in Deutschland auf dem Index, und wer das kreolische Kauderwelsch versteht, der hört auch, wie Sizzla Schwule ins Feuer wünscht und dergleichen mehr. Betrachtet man Sizzlas beachtliches Schaffen insgesamt, steht diese Thematik allerdings eher am Rand.

Im Berliner Kesselhaus wollte man den Musiker auf Drängen des Lesben- und Schwulenverbandes dazu verpflichten, in seiner Heimat eine Anti-Schwulenhass-Kampagne zu starten, mit einer Sizzla-Videobotschaft, einer Sizzla-Broschüre, finanziert von Sizzla-Geld. Andernfalls würde der Auftritt abgesagt. Das hört sich politisch sehr korrekt an, grenzt aber an Erpressung. Schwuler Geschlechtsverkehr wird in Jamaika mit zehn Jahren Haft bestraft. Er würde gegen die Gesetze seines Landes verstoßen, ließ der Künstler mitteilen, wenn er das mitmacht, und ganz falsch liegt er damit wohl leider nicht. Sizzlas Botschaften, so scheußlich sie hier ankommen, sind in seiner Heimat Mainstream, in der Dancehall-Szene gehören sie - leider - zum kulturellen Komment. Von Herrn Collins zu erwarten, in Jamaika Schwulsein zu verteidigen, wäre in etwa so, wie vom Papst zu verlangen, sich mitten auf dem Petersplatz ein Kondom überzustreifen.

Jetzt hat die Berliner Gay-Community ein überspanntes de-facto-Auftrittsverbot für den Mann durchgesetzt, obwohl niemand erwartet hat, Sizzla würde ausgerechnet hier seine homophoben Battyman-Tunes zum besten geben. Er ist, trotz allem, ein Künstler und kein Polit-Aktivist, den man bekämpfen muss. Draußen eine gute Demo, drinnen gute Musik – es hätte ein guter Berliner Abend werden können.

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