Howoge-Affäre : Sarrazins Erbe

Fragwürdigen Vergabepraxis der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge: Der Fall Sarrazin nimmt langsam die Ausmaße einer klassischen Tragödie an.

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Sein Abstieg vom Berliner Budgetsanierer, der einst aus gutem Grund gefeiert wurde, zum ethnostereotypen Eiferer ist dabei nur ein Teil des Dramas. Wenn stimmt, was jetzt über Thilo Sarrazins Haltung in der sogenannten Howoge-Affäre bekannt wird, dann steht er kurz davor, auch den letzten Rest seines politischen Erbes zu diskreditieren. Dabei empört im aktuellen Fall nicht nur die Frage, wie er sich vor vier Jahren gegenüber der fragwürdigen Vergabepraxis der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge positioniert hat. Der Meinung, dass Aufträge ohne Ausschreibung wirtschaftlich sinnvoll sind, kann man widersprechen oder zustimmen. Die Sarrazin’sche Anmaßung liegt vor allem im nachträglichen Umgang mit dem Thema. Als die Affäre zu Beginn dieses Jahres hochkochte, hätte sich der ehemalige Herr über Berlins Finanzen zu Wort melden und seine Position erklären müssen. Stattdessen schwieg er – und nahm in Kauf, dass der rot-rote Senat jetzt im Zentrum einer Affäre zu stehen scheint, die er eigentlich überstanden glaubte. Damit schadet Sarrazin dem Senat mehr als mit jedem populistischen Talkshow-Auftritt.

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