Meinung : Hülle mit Aussicht

Berlin beteiligt sich am Wiederaufbau des Schlosses – jetzt muss es dem Bau einen Sinn geben

Sabine Beikler

Nach langen Debatten um den Wiederaufbau des Stadtschlosses scheint jetzt der gordische Knoten gelöst zu sein: Das Land Berlin wird sich mit einem Zuschuss bis zu 50 Millionen Euro an den auf 480 Millionen Euro geschätzten Kosten für das Humboldt-Forum beteiligen.

Diese Entscheidung dauerte zwar etwas, und der Bund musste zaghaft, aber bestimmt Druck ausüben. Doch ist die Beteiligung Berlins eine Selbstverständlichkeit: Es geht hier um einen zentralen Platz in der Hauptstadt, um den Schloßplatz. Für den Senat wäre es bundespolitisch sehr peinlich geworden, wenn das Land in der Schmollecke geblieben wäre, in die es der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit durch trotzige Äußerungen nach der Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gebracht hatte. Wowereit wusste sehr genau, dass sich das Land bei all seinen finanziellen Sorgen in der Frage der Beteiligung beim Schlossaufbau nicht mehr hinter der Haushaltssituation hätte verstecken und den Bund als Bauherren nur mit einem symbolischen Betrag hätte abspeisen können.

Zudem muss sich Wowereit auch als Kultursenator profilieren: Dafür ist kaum etwas besser geeignet als ein Bekenntnis für einen Standort in der historischen Mitte Berlins, um den jahrzehntelang ein Ost-West-Kulturkampf getobt hatte. Und selbst der Koalitionspartner Linkspartei/PDS lenkt ein. Nur bemüht man sich noch um eine Sprachregelung, die von den Genossen ungeachtet des Konsolidierungskurses geschluckt werden kann.

Ist die Finanzierung des Humboldt-Forums geklärt, geht es um die Frage der öffentlichen Nutzung. Endlich hat Berlin die Chance, aus dieser Brachfläche in der Mitte der Stadt einen Anziehungspunkt für Berliner und Gäste aus aller Welt zu schaffen. Eine Schlosshülle mit einer historischen Fassade mag zwar ein schöner Ausflugsort für Stadtromantiker und Architekturliebhaber sein. Doch es geht um viel mehr: Von der Mitte der Hauptstadt kann mit dem Humboldt-Forum eine weltweit einzigartige internationale Ausstrahlung ausgehen. Neben den außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz können dort entweder die Zentral- und Landesbibliothek oder die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität hinziehen. Das muss schnell geklärt werden.

Von Anfang an hatte man bei der Debatte um das Stadtschloss den Eindruck, es handele sich um den Aufbau potemkinscher Dörfer. Jetzt kann das Land zeigen, dass es diesen Ort mit einer zentralen Idee ausfüllen will: Denn das Stadtschloss darf nicht nur zu einer reinen Begegnungsstätte für die Wissenschaft werden, sondern muss ein Ort der Begegnung sein – für alle Berliner.

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