Meinung : „Hungerstreik war schnell nicht mehr angenehm“

Matthias B. Krause

Als sich im Juni auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo drei Häftlinge erhängten, hatten sie vom Chef des zuständigen US-Oberkommandos Süd wenig Mitleid zu erwarten. General Bantz J. Craddock vermutete bei seinem Besuch des Lagers auf Kuba, die Gefangenen hätten versucht, die Richter des Supreme Court zu beeinflussen. Die mussten zu dem Zeitpunkt darüber entscheiden, ob die vom Weißen Haus geplanten Militärtribunale verfassungsgemäß sind. Das war nicht das einzige Mal, dass der General durch unerschütterliche Standfestigkeit zum Anti-Terror-Kurs seiner Regierung auffiel.

Als Anfang des Jahres die Diskussion um die Zwangsernährung hungerstreikender Häftlinge in Guantanamo hochkochte, verteidigte Craddock die Praxis ebenfalls. Die mutmaßlichen Terroristen an Stühle zu fesseln und ihnen zwangsweise Schläuche einzuführen, sei „keineswegs inhuman“, wohl aber wirkungsvoll, sagte er: „Hungerstreik war ziemlich schnell nicht mehr angenehm genug für sie, und sie entschieden, dass es das nicht wert ist.“

Die von Menschrechtsgruppen mit Argwohn betrachtete Berufung Craddocks zum neuen Nato-Oberbefehlshaber in Europa ist in den Augen der Bush-Regierung nur die geradlinige Fortsetzung einer vorbildlichen Militärkarriere. Craddock, 57, war ein enger Berater des scheidenden Pentagon-Chefs Donald Rumsfeld und stand 2004 ganz oben auf der Liste für die Nachfolge von General Ricardo S. Sanchez als Oberbefehlshaber im Irak. Als Sanchez jedoch wegen des Abu-Ghraib-Skandals untragbar für seine neue Aufgabe geworden war, übernahm Craddock den Posten in Miami als Chef des Oberkommandos Süd.

Craddock lernte das Kriegshandwerk am renommierten US Army War College in Carlisle, Pennsylvania, und verdiente sich Anerkennung als Bataillonskommandeur im ersten Irakkrieg. Als die US-Streitkräfte im Kosovo eingriffen, war es Craddock, der den Befehl führte. In jüngster Zeit warnte der als Leiter des US-Oberkommandos Süd auch für Lateinamerika zuständige General wiederholt vor den Gefahren, die von Venezuelas amerikafeindlichem Präsidenten Hugo Chavéz ausgingen.

In seinem neuen Amt als militärischer Nato-Chef, ein Posten, der traditionell von den USA besetzt wird, muss Craddock sich mit einem alten Problem beschäftigen. Neben 32 000 in Afghanistan sorgen weitere 17 000 Nato-Soldaten im Kosovo für Sicherheit.

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