Hypo Real Estate : Privatsache der Banker?

Einmischen oder nicht: Das Desaster der Hypo Real Estate zeigt, dass die Rolle der Bankenaufsicht neu definiert werden muss.

Carsten Brönstrup

W ie eine Naturkatastrophe ist die Beinahe-Pleite der Immobilienbank Hypo Real Estate über die Republik gekommen. Weil man die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers wenige Tage zuvor im Leben nicht hätte absehen können.

Das sagen jedenfalls die Verantwortlichen aus Finanzwirtschaft und Staat, die die HRE an einem denkwürdigen Wochenende im September 2008 mit Milliarden retten mussten – also die Bundesbank, die Bankenaufsicht und die Topmanager sowie die Regierung. Noch auf Jahre hinaus wird dieses Institut dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Doch so unvermeidlich, wie die Herren des Geldes es dieser Tage im HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestags darstellen, war das Desaster offenbar nicht. Denn bereits 2007, als die HRE die irische Bank Depfa plc kaufte, waren die Bankenaufseher misstrauisch geworden. Sie stuften das Geschäftsmodell, mit dem die Depfa ihr Geld zu verdienen pflegte, als extrem riskant ein: Langfristig laufende Kredite mit hohen Zinsen an Kunden zu vergeben und dies zu decken, indem man sich billigere, kurzfristige Kredite besorgte, erschien ihnen plump und halsbrecherisch.

Denn damit machte sich die HRE abhängig vom Zinsniveau auf den globalen Geldmärkten – einer Größe also, die keine Bank der Welt beeinflussen kann. Dieses Vorgehen war – aus gutem Grund – bei deutschen Bankern seit Jahren verpönt.

Allein, unternehmen konnten die Bankenprüfer trotz ihrer Sorgen nichts – denn es steht ihnen nicht zu, einen Deal wie den Kauf der Depfa zu stoppen, nur weil sie das Geschäftsmodell ablehnen. So steht es in den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland, selbst marktkritische Sozialdemokraten stehen dazu. Dafür gibt es gute Gründe: Denn es geht den Staat grundsätzlich nichts an, wie ein Unternehmen sein Geld verdient, er hat ihm nicht reinzureden. Alles andere erinnert an Sozialismus – Beamte haben keine Ahnung, was auf den Märkten passiert und wie ein Unternehmen im Wettbewerb überleben kann. Doch darf man mit dem Wissen aus der weltweiten Finanzkrise bei diesem Dogma bleiben? Ist die Strategie weiterhin Privatsache von Bankern? Oder muss es zumindest für die Geldwelt Sonderregeln geben, weil im Zweifel ja der Steuerzahler für ihre Fehler geradestehen muss?

Nicht nur die HRE, auch der tiefe Fall der deutschen Landesbanken wirft diese Fragen auf. Das ist der wirkliche Kern der Diskussion um eine strengere Regulierung der Finanzmärkte. Es wäre lohnend, wenn sich die Wahlkämpfer alsbald dieses Themas annehmen würden.

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