Meinung : „Ich bewundere die Väter der Verfassung“

Christoph von Marschall

Manche ziehen Parallelen zu Dick Cheney: Dessen Auftrag lautete einst, einen geeigneten Vize für den angehenden Präsidenten George W. Bush zu finden – am Ende wurde Cheney es selbst. Und nun Harriet Miers. Sie prüfte als Bushs Rechtsberaterin Kandidaten für das oberste Gericht. Andrew Card, Personalchef im Weißen Haus, betont, sie habe sich nicht selbst auf die Liste gesetzt, das habe vielmehr Bush vor zwei Wochen veranlasst. 14 Namen waren es am Freitag, die Hälfte Frauen. Beim Abendessen im Weißen Haus am Sonntag eröffnete Bush der 60-Jährigen, er werde sie nominieren.

In kritischer Lage vertraut Bush auf Menschen aus seinem persönlichen Umfeld, da mag die Papierform noch so schwach erscheinen: unverheiratet, kinderlos – und ohne Erfahrung als Richterin. Womit Miers aber keine Ausnahme ist. 14 oberste Richter ohne diese Qualifikation gab es in den letzten 70 Jahren. Das dürfte, so das Kalkül, die Anhörungen im Senat vereinfachen: Es gibt keine umfangreichen Akten über sie wie jüngst bei John Roberts, dem neuen Vorsitzenden des Supreme Court.

Frappierend an den ersten Reaktionen ist der verhaltene Unmut rechter Republikaner. Sie hofften, Bush werde einen konservativen Ideologen platzieren. Miers ist Kirchgängerin und, wie es scheint, Abtreibungsgegnerin. Aber sie hat für Wahlkämpfe von Demokraten Geld gespendet, 1988 für Al Gore und Senator Lloyd Bentsen. Bushs Hauptbotschaft indes ist: Eine Frau soll es sein, die dritte in der Geschichte des Supreme Court.

Miers war in Texas die erste Frau an der Spitze des Anwaltsvereins. In den 90er Jahren vertrat sie Konzerne wie Microsoft oder Walt Disney und wurde Bushs Anwältin für private Streitfälle. Einen „Pittbull mit Schuhgröße 6“ nannte er sie. Sie folgte ihm nach Washington, suchte die Anwälte aus, die ihn im Streit um die Stimmenauszählung in Florida 2000 vertraten, und wurde als Büroleiterin zum Wachhund. Sie kontrollierte, welche Personen und welche Papiere ins Oval Office gelangten. Dabei korrigierte sie gleich Kommas, Rechtschreibfehler und Grammatik der Vorlagen, berichten Kollegen. Und scherzen, ihr roter Mercedes auf dem West-Wing-Parkplatz des Weißen Hauses sei wohl ein „aufgegebenes Auto“. Ihr Arbeitstag hat oft 16 Stunden.

Bisher zögern die Demokraten, Front gegen Miers zu machen. Es heißt, sie sei eine gute Vermittlerin. Dem Ruf muss sie gerecht werden.

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