Meinung : „Ich bin bereit mitzumachen“

Helmut Schümann

Bremke, Hochsauerlandkreis, 634 Einwohner, zwei Gasthöfe, eine Kirche, eine Tanke, viele Kühe und die Halle der St. Hubertus Schützenbruderschaft 1947 e.V., die sich „Glaube, Sitte, Heimat“ auf die Fahnen geheftet hat. Das also, ein Dorf in seinem Wahlkreis, soll die Bühne sein, auf der Friedrich Merz seine Rückkehr in die Bundespolitik verkündet? Sie ist es, als Merz am Dienstagabend einparadiert in die Halle, dabei zum Marsch des Spielmannszuges die Wangen bläht und – pam, padam – im Rhythmus mitmarschiert, er, der einst Rock auf der E-Gitarre spielte. Und hier ist es auch, wo er am Ende seiner etwa eine Stunde und 20 Minuten dauernden Rede den Satz spricht, „und was mich betrifft, ich bin bereit mitzumachen“.

Merz sagt dies in aller Sachlichkeit, in aller Bescheidenheit, bloß jetzt nicht triumphieren. Aber wie er da steht im Jubel seiner sauerländischen Anhängerschaft, sich kurz mit dem akkurat gefalteten weißen Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischt und herunterschaut vom Podium, da weitet sich der Mund zum Lächeln, da blitzen die Augen voller Genugtuung. Vor knapp einem Jahr hat Merz, 49, all seine politischen Ämter zurückgegeben, verärgert, weil man ihm nicht folgen wollte als wirtschaftspolitischem Sprecher der CDU. Zwei Jahre zuvor war er weggemobbt worden aus dem Fraktionsvorsitz, rausgemauschelt von Edmund Stoiber und Angela Merkel, der er nun großzügig Hilfe anbietet in ihrer Kirchhof’schen Not.

Das heißt, von einem Angebot kann man nicht sprechen. Merz wird getragen, und zwar auf den Schultern der Parteibasis, des Niedersachsen Wulff und des Hessen Koch, er selber muss nichts tun. Man merkt das, wenn er am Abend freundlich, aber bestimmt mitteilt, er werde in dieser Woche mit Medienvertretern gar nicht mehr reden. Warum sollte er auch? Paul Kirchhof hatte am Nachmittag noch einmal Diffuses nachgelegt und sich ein „Tandem“ mit Merz vorstellen können. Kein Wort dazu von Merz, nur ein generöses Lob für den visionären Mut Kirchhofs. Man könnte das wegloben nennen.

Und so wird Bremke im Hochsauerlandkreis zum Programm. Es heißt Understatement, vermeintliche Versachlichung, kaum Attacken gegen Rot-Grün, keine Sticheleien gegen Merkel, gestern war gestern, und am Sonntag beginnt eine andere Zeit. „Nur wer sich ändert, wird bestehen“, heißt Merz’ Buch aus dem Jahr 2004. Ob er sich geändert hat, bleibt offen. Dass er bestehen wird, scheint gewiss zu sein.

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