Meinung : „Ich bin der Präsident, der Frieden bringt“

Michael Schmidt

Hoffnung heißt die Partei, mit der René Préval zur haitianischen Präsidentschaftswahl am 7. Februar antrat. Und die Hoffnung der Haitianer auf weniger Armut und mehr Stabilität und Frieden ist es, die den 63-jährigen Agraringenieur jetzt zum zweiten Mal ins höchste Staatsamt des Inselstaates hievte.

Préval, Zögling einer Familie, die 1963 vor der Duvalier-Diktatur nach Belgien floh, ist kein großer Redner, die Zustimmung zu seiner Person ruht auf seinem Ruf, ein Macher zu sein. So ließ er in seiner ersten Amtszeit Schulen bauen und investierte in Haitis Infrastruktur. Und, in Haiti eher ungewöhnlich: Er gilt als ein Politiker, der frei ist vom Vorwurf der Bereicherung und Korruption.

Die Zeit seiner ersten Amtszeit von 1996 bis 2001 ist vielen Bewohnern des bitterarmen Landes in guter Erinnerung: Es war eine Zeit relativer Stabilität und Ruhe – und der graubärtige Préval ging in die Geschichte ein als erster und bisher einziger demokratisch gewählter Staatschef Haitis, der sein Mandat ordnungsgemäß an seinen Nachfolger übergab. Doch scheiterte er schon damals an Herausforderungen, die ihm auch jetzt das Regierungsleben schwer machen werden. Es gelang ihm nicht, zur Armutsbekämpfung eine wirtschaftlich tragfähige Entwicklung in Gang zu setzen. Und er hinterließ einen Staat mit schwachen Institutionen, unfähig, der aufflammenden Gewalt und Bandenkriminalität etwas entgegenzusetzen.

Jetzt muss Préval das polarisierte Land versöhnen. Die nahe Zukunft wird von der Frage bestimmt: Wie hält es der neue Staatschef mit seinem Vorgänger, Nachfolger und Ziehvater Jean-Bertrand Aristide? Der populäre Armenpriester wurde 2004 mit massiver Unterstützung der USA und Frankreichs aus dem Land ins südafrikanische Exil gejagt. So wie die Dinge stehen, wird die internationale Gemeinschaft lernen müssen, mit einer Rückkehr Aristides zu leben. Und er wird vermutlich der starke Mann im Hintergrund sein.

Es muss sich zeigen, wie viel Unabhängigkeit Préval sich wird bewahren können und wollen. Haiti muss ein neues Verhältnis zu Opposition und Kritik entwickeln. Daran wird Préval sich messen lassen müssen. Und daran, in welchem Maße es ihm gelingen wird, unparteiische haitianische Polizeikräfte aufzubauen, die ein Minimum an Sicherheit zu gewähren in der Lage sind – und damit, wenigstens mittelfristig, den Abzug der 9500 Mann starken UN-Friedenstruppen zu ermöglichen.

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