Meinung : „Ich bin ein Junge von der Küste“

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Die Wurzeln des neuen starken Hamburger SV liegen in den Scherben von Malchin – der mecklenburgischen Heimat von Thomas Doll. Durch ein zerschossenes Küchenfenster kommt er zum Fußball. Der Geschädigte aus der Malchiner Puschkinstraße wird sein erster Trainer. Mittlerweile ist Doll selber Trainer. Sein HSV greift den FC Bayern an und gewinnt. Die Liga lebt.

Trainer wollte Thomas Doll nicht werden. Als Spieler trägt er Matte und Ohrring. Er lebt, wie er spielt – schwerelos im Umgang mit Ball und Gegner. Über Rostock landet er beim ungeliebten StasiKlub BFC Dynamo, wo er ausgepfiffen und angespuckt wird. Das stählt. Nach dem Mauerfall buhlt der FC Bayern, Doll aber („Ich bin ein Junge von der Küste“) geht zum HSV, den er nach oben schießt und saniert. Lazio Rom bezahlt für den kämpfenden Künstler 18 Millionen Mark. Verletzungen und private Probleme lassen Doll reifen und über Umwege (Frankfurt, Bari) wieder beim HSV landen. Erst coacht er den Nachwuchs, dann, vor einem Jahr, wird er mit 38 einer der jüngsten Bundesligatrainer. Diesen Job vergleicht er mit dem eines Bergsteigers, der auf Tour geht: „Der braucht seine Haken, um oben zu überleben.“ Dolls Haken heißen: offen, ehrlich und bescheiden zu sein. miro

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