Meinung : „Ich bin erleichtert, …

Clemens Wergin

… dass dieses Annus horribilis zu Ende geht.“

Wäre der Posten des Weihnachtsmannes neu zu besetzen, dann kämen dafür – neben einer Hand voll Schauspielern – eigentlich nur zwei Menschen in Betracht: Nelson Mandela und Kofi Annan. Mandela wegen seiner bewegenden Lebensgeschichte. Und der 66-jährige Annan wegen seiner Position als oberster Friedefürst der Weltpolitik.

Wer die UN mit so viel Weltbeglückungspathos versieht wie viele Europäer, der braucht natürlich auch eine Person, die der Welt das multilaterale Heil beschert. Kofi Annan hat den Vorteil, dass seine Hautfarbe unser schlechtes Gewissen als ehemalige Kolonialisten befriedigt: Seht her, die ehemals von uns Geknechteten können heute sogar UN-Generalsekretär werden. Und wie so viele Gläubige sind auch überzeugte Multilateralisten nicht bereit, Kritik an ihrem Helden hinzunehmen. Entweder man findet den Ghanaer toll, oder man steht im Dienste amerikanischer Konservativer, die Annan am Weihnachtsmantel flicken.

Anders als seine Verehrer weiß Annan, dass ihn der Skandal um das irakische Öl-für-Lebensmittel-Programm beschädigt hat. Dass sein Sohn Kojo im Umfeld des Programmes Geld verdiente, sah gar nicht gut aus. Dass der Vater fälschlicherweise behauptete hatte, sein Sohn habe nach 1998 kein Geld mehr von Cotecna für Beratungsdienste bekommen, noch weniger. War die Schweizer Firma doch einer der Nutznießer des Öl-für-Lebensmittel-Programms, von dem Saddam Geld in seine schwarzen Kassen umleitete.

Mitte November war Annan knapp einem Misstrauensvotum der UN-Angestellten entgangen, die empört waren, dass er einen hochrangigen UN-Mitarbeiter von dem Vorwurf sexueller Nötigung reingewaschen hatte. Allgemein gab es heftige Kritik an der Art, wie die UN mit Skandalen umgehen. So hatte Annan erst nach enormem Druck aus Washington zugestimmt, den Skandal um das Programm von einer unabhängigen Untersuchungskommission aufklären zu lassen. Wenig erfreulich sind auch die inzwischen bekannt gewordenen Details über systematische Misshandlungen durch UN-Soldaten im Kongo.

Annan hat also guten Grund, 2004 als „schreckliches Jahr“ abhaken zu wollen. Doch so schnell werden ihm die Gläubigen nicht von der Fahne gehen. Selbst, wenn im nächsten Jahr weitere Details darüber bekannt werden, dass Annan unter seiner UN-Weihnachtskutte eine ganz normale Jeans trägt – so wie du und ich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben