Meinung : „Ich bin halt optimistisch“

Hans-Hagen Bremer

Von den Lesereisen für ihre Bücher, die sie bis nach San Francisco und Rio de Janeiro führen, kehrt Faiza Guène stets in die Cité des Courtillières zurück. In diesem aus großen Betonklötzen bestehenden Viertel des Pariser Vororts Pantin ist sie in der Drei-Zimmer-Wohnung ihrer aus Algerien stammenden Eltern mit zwei Geschwistern groß geworden. Dort ist sie zu Hause, dort ist die Welt, aus der sie die Ideen für ihren ersten Roman „Kiffe kiffe demain“ schöpfte, der sie 2004 mit 19 Jahren mit einem Schlag bekannt machte. In dieser vom Leben der Hauptstadt durch die Ringautobahn getrennten Welt der Banlieue, die vor einem Jahr mit den Bildern brennender Autos zu tristem Ruhm kam, handelt auch der soeben erschienene zweite Roman der schon jetzt mit der großen Francoise Sagan verglichenen Bestsellerautorin „Du rêve pour les oufs“ (Traum für Verrückte).

Ihr erstes Buch „Kiffe kiffe demain“, was im Jargon der Vorstadtjugend so viel wie „morgen immer das Gleiche“ heißt und inzwischen in mehr als 20 Sprachen, darunter ins Deutsche unter dem Titel „Paradiesische Aussichten“ übersetzt wurde, ist die Geschichte eines 15-jährigen Mädchens marokkanischer Herkunft, das allein mit seiner Mutter aufwächst. In einem leichten, mit schnoddrigen Ausdrücken durchsetzten Stil zeichnet Guène darin den wenig paradiesischen Alltag in den Cités, der für die Heldin ihres Romans am Ende doch noch eine glückliche Wende findet. „Ich bin halt optimistisch“, hat die Autorin ihre durchaus romantische Sicht gerechtfertigt. In ihrem neuen Roman „Du rêve pour les oufs“, der nach den Unruhen vom vergangenen Herbst vollendet wurde, ist der Ton bitterer. Darin schildert sie eine junge algerische Frau ohne gültige Aufenthaltspapiere, die nach dem frühen Tod der Mutter und dem Unfall des Vaters den Kampf ums Überleben der Familie aufnehmen muss.

Geschichten hat Faiza Guène schon als Schulkind gern erzählt. Und auch geschrieben hat sie gern, jeden Tag, und wenn es nur ein Satz war, den sie auf einem Metro-Ticket notierte. Eines Tages entdeckte ein Lehrer ihr Talent und sandte einen ihrer Texte an den Verlag Hachette. Der nahm sie umgehend unter Vertrag. Als „Sprecherin“ der Jugend in den Cités hat sie sich nie gesehen. Aber wenn sie zu Lesungen in Schulen kommt, spürt sie die Bewunderung, die ihr von denen entgegenschlägt, die sich und ihre Welt mit all ihren Problemen in ihren Büchern wiedererkennen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben