Meinung : „Ich bin hundertprozentig deutschtürkisch“

Suzan Gülfirat

Die deutsche Bevölkerung nimmt ab. Um so wichtiger ist es, dass wir uns um die jungen Migranten kümmern“, sagt Rana Büyükyilmaz während ihres ersten Pressetermins in Berlin am Wochenende. Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, beugt sie sich etwas vor. Sie wurde am 21. März in den Bundesvorstand der Türkischen Gemeinde Deutschland (TGD) in Hamburg gewählt. Am Sonnabend stellte sie der Vorsitzende des TGD, Kenan Kolat, der Öffentlichkeit vor. Damit ist die 16-jährige Gymnasiastin das jüngste Mitglied, das je an die Spitze dieser Migrantenorganisation gewählt wurde.

Ihre Stimme klingt energisch und fast noch ein wenig kindlich. Noch besucht sie die 10. Klasse eines Gymnasiums in Karlsruhe, wo sie auf die Welt kam. Es regt sie auf, wenn die Leute ihr sagen, das sie keine typische Türkin sei. „Ich bin hundertprozentig deutschtürkisch“, sagt sie dann. Im vergangenen Jahr fuhr sie mit ihrer deutschen Freundin in die Türkei, um ihr zu zeigen, wo ihre Wurzeln liegen. „Ich bin jedoch auch genauso gerne Deutsche“, betont sie. Vor eineinhalb Jahren ging sie „rein aus Interesse“ auf eine Veranstaltung der TGD in Karlsruhe. Dort nahm sie das Angebot an, sich für diese Organisation zu engagieren. Da war sie bereits Mitglied der SPD.

Eine Bekannte ihrer Mutter hatte sie mit auf eine Veranstaltung der Jungsozialisten genommen und das ehrgeizige Mädchen überlegte nicht lange und wurde gleich Mitglied dieser Partei. Auf dem Bundeskongress der Jusos im Mai in Saarbrücken wurde sie zum jüngsten Mitglied der baden-württembergischen Delegation gewählt. „Früher habe ich Gedichte geschrieben, aber dazu habe ich keine Zeit mehr“, sagt sie heute. Trotz ihrer Aktivitäten ist sie eine gute Schülerin. Das ist ihr wichtig. Die Tochter eines türkischen Unternehmers und der Enkelin eines Gastarbeiters, der sich 1965 von einer Fabrik in Ulm anheuern ließ, wird das zukünftige Jugendressort der TGD übernehmen. Vor allem will Rana das Image der türkischen Jugendlichen verbessern. „Immer wird über sie in Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit und Kriminalität gesprochen“, beklagt sie. Angst vor den Herausforderungen, die jetzt auf sie zukommen, hat sie nicht. „Ich habe noch Schonfrist, bis ich 18 Jahre alt bin“, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Nach dem Abi will sie Politik und Medienwissenschaft studieren, um zu schauen, in welche Richtung es sie beruflich eher zieht.

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