Meinung : „Ich bin in Amerika geboren“

Matthias B. Krause

Ich verstehe, dass viele Menschen, die meinen Nachnamen hören, Vorurteile haben. Aber ich liebe mein Land“, versichert Wafah Dufour bin Laden. Nun ist es allerdings nicht so, dass die Tochter eines Halbbruders des Al-Qaida-Führers Osama bin Laden von der Ausweisung bedroht wäre. Sie studierte an der New Yorker Columbia-Universität und lebt ein behütetes Leben. Aber das ist ihr nicht genug. Die schöne 27-Jährige hat sich in den Kopf gesetzt, als Popstar reich und berühmt zu werden. Dafür zog sie sich bereits vor der Kamera des Männermagazins „GQ“ aus, versuchte sich mit dem Singen und will nun ihr Leben zum Mittelpunkt einer Reality-TV-Serie machen. Dazu jedoch braucht sie dringend eine Anfangs-Berühmtheit – und die kann ihr nur der Name ihres als Terrorist gesuchten Onkels bieten.

Die Produktionsgesellschaft Regan-Media griff beherzt zu, schließlich hat sie schon Erfahrung mit dem Leben anderer Familien zweifelhaften Rufes. „Growing up Gotti“ („Aufwachsen als ein Gotti“) zum Beispiel schildert das skurrile Zusammensein der Verwandten des New Yorker Mafia-Bosses. „Ihre Geschichte wird ein Brücke schlagen zwischen den Kulturen, in denen sie lebt“, sagt Produzentin Judith Regan über Wafah Dufour. Der Haken ist allerdings, dass sie nur sieben Jahre lang, zwischen ihrem dritten und ihrem zehnten Lebensjahr, in Saudi-Arabien verbrachte – und dabei den bösen Onkel Osama nie traf, wie sie versichert.

Dass das Konzept bei einigen New Yorkern nicht besonders gut ankommt, lässt sich verstehen. Eine Sprecherin der Vereinigung der Familien des 11. September protestiert: „Das ist eine absolute Schande. Allein die Idee, dass die Familie des Mannes, der so viel Blut an seinen Händen hat, durch diese Art der Prominenz profitiert, ist atemraubend.“ Die Leser der erzkonservativen „New York Post“ werden noch deutlicher: „Ersparen sie uns die Geschichte von bin Ladens Nichte, die versucht, den amerikanischen Traum zu leben. Sie sollte viel lieber versuchen, das Land ihres Onkels zu verändern und die Unterdrückung der Frauen in der muslimischen Welt beenden“, schreibt etwa Brenda Momente aus Manhattan. Noch ist kein TV-Sender angesprungen. Doch bei so vielen Emotionen dürfte es nicht mehr lange dauern. Aufgewühlte Gefühle bedeuten im amerikanischen Showgeschäft vor allem eins: mehr Promotion – und noch mehr Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

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