Meinung : „Ich bin kein Vertreter …

Ursula Weidenfeld

… der lauten Art. Lautstärke allein macht Argumente nicht besser.“

Jürgen Thumann, seit ein paar Tagen im Amt als neuer Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hat sich einen neuen Ton vorgenommen im Umgang mit der Politik und der Öffentlichkeit. Und er scheint ihn auch zu finden. Bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt in der Talk-Show „Christiansen“ verweigert er zwar eine konkrete Stellungnahme zum Verhalten der Deutschen-Bank-Vorstände, die einen Milliardengewinn ausweisen, gleichzeitig aber rund 6000 Mitarbeiter entlassen. Doch habe Clement Recht mit seiner Mahnung, dass die Unternehmen ihre soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigen nicht vergesssen dürften, sagt Thumann.

Neue Töne von einem Industriepräsidenten, und eine neue, leisere, Tonart dazu. Lautstärke will er durch Beharrlichkeit ersetzen: „Im Zweifel wiederhole ich meine Argumente, bis ich Gehör finde“ , sagte Thumann dem „Handelsblatt“. Darauf können sich seine Gesprächspartner künftig einstellen.

Er selbst habe ein großes inhaltliches Ziel, hatte Thumann direkt nach seiner Wahl gesagt: eine Unternehmenssteuerreform, die die Unternehmen steuerlich belohnt, die den Gewinn im Unternehmen lassen und investieren, anstatt ihn an die Aktionäre und Eigentümer auszuschütten. Dann sehe er gute Chancen, dass die Firmen wieder in Deutschland investieren. Klar, dass sich der BDI-Präsident auch am Sonntagabend die Gelegenheit nicht entgehen lässt, diese Forderung zu wiederholen. Warum soll eine rasche Reform der Unternehmenssteuern nicht möglich sein, fragt er.

Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement kann nicht Nein sagen, Oppositionsführerin Angela Merkel schließt sich der Forderung an. Ein Gesprächsangebot, es besteht Hoffnung, frohlockt der Bundesverband der Industrie. Das ist tatsächlich mehr, als Thumanns Vorgänger Michael Rogowski zum Schluss im Umgang mit der Politik erreichen konnte.

Es ist ein Punktsieg. Auch wenn schon wenige Stunden später das Finanzministerium erklärt, es werde vor dem Jahr 2006 keine Unternehmenssteuerreform geben, und Gespräche mit der Opposition darüber hätten auch noch ein bisschen Zeit, und überhaupt sei die Sache nicht wirklich heiß: Für den Mittelständler und Metallunternehmer Thumann, der in verschiedenen Werken im In- und Ausland vornehmlich Batteriehülsen, Autoteile und Aerosoldosen herstellt, ist der Einstieg gelungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben