Meinung : „Ich bin lieber eine Athletin als ein Model“

Friedhard Teuffel

Die nettesten Geschichten in der Leichtathletik kommen zurzeit aus Schweden. Eine davon ist die von Carolina Klüft. Olympiasiegerin im Siebenkampf ist sie, Welt- und Europameisterin, und dabei erweckt die 23-Jährige mit ihrer mädchenhaften Art den Eindruck, als habe sie bis vor einiger Zeit noch in Bullerbü gewohnt und sei nur deshalb so athletisch und schnell, weil sie mit ihren großen Brüdern immer gerauft hat und um die Wette gerannt ist.

Bei den Europameisterschaften in Göteborg ist sie nun sozusagen die Starthelferin. Der Siebenkampf beginnt nämlich schon an diesem Montag, und es könnte für ihr Land keinen besseren Auftakt geben, als wenn Carolina Klüft am Dienstag nach dem abschließenden 800-Meter-Lauf als Europameisterin ins Ziel käme. Denn Carolina Klüft ist vielleicht noch ein bisschen schwedischer als ihre Mannschaftskollegen. Während andere erfolgreiche Schweden, die Hochspringerin Kajsa Bergqvist etwa oder der Dreispringer Christian Olsson, längst ihr Land verlassen haben und in Monte Carlo leben, hat Carolina Klüft ihren Wohnsitz immer noch in Schweden. Bergqvist und Olsson lassen sich von Daniel Wessfeldt vermarkten, der nicht nur gerne eine Rolex trägt, sondern vielleicht auch ein bisschen so tickt. Klüfts Manager ist ihr Vater.

Alle 17 Siebenkämpfe ihrer Karriere hat sie gewonnen, und je mehr Erfolg sie hat, desto mehr scheint sie auf Normalität zu bestehen. Nach ihrem Olympiasieg von Athen 2004 sagte sie: „Ich bin immer noch ein kleines Mädchen in einer großen Welt.“ Sie ist auf vieles neugierig, aber offenbar nicht auf die Glitzerwelt, in die eine Sportgröße wie sie leicht Einlass findet. Erfolgreich sein ja, aber auf eine etwas andere Art. „Ich bin lieber eine Athletin, die hart trainiert, als ein Model“, sagt sie. Das wird ihr ganz schön schwer gemacht, unter anderem von ihrem eigenen Ausrüster Reebok. Der bemüht sich eifrig, aus ihrer Leistung Kapital zu schlagen, und präsentiert gerne ausgefallene Bilderserien mit seiner besten Athletin.

Ein ganz gewöhnliches Leben kann Carolina Klüft ohnehin nicht mehr führen. An der Universität von Växjö hatte sie begonnen, Psychologie, Geschichte und Philosophie zu studieren, aber wegen des vielen Trainings, all der Wettkämpfe und sonstiger Verpflichtungen hat sie das Studium unterbrochen – Carolina Klüft will erst einmal an ihre körperlichen Belastungsgrenzen gehen und noch ein paar persönliche Bestleistungen aufstellen.

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