Meinung : „Ich bin perfekt vorbereitet“

Julia Macher

Gestern war ein glücklicher Tag für Bernd Schuster, auch wenn er nicht öffentlich in Erscheinung trat. Wahrscheinlich wird der Fußballlehrer still jenes sphinxhafte Lächeln gelächelt haben, das der als Griesgram gescholtene Deutsche sich in Spanien antrainiert hat. Nach Informationen des Klubs wird Bernd Schuster dem Madrider Vorstadtverein FC Getafe den Rücken kehren und in der kommenden Saison auf der Bank der „Königlichen“ sitzen: Schuster soll am Donnerstag einen Vorvertrag mit dem spanischen Spitzenverein Real Madrid unterzeichnet haben. Damit dürfte für ihn, der selbst zwei Jahre das weiße Trikot Reals trug, ein Traum in Erfüllung gehen.

Zur Zukunft Schusters wollten sich gestern weder Real Madrid noch der FC Getafe äußern. Doch der Wechsel scheint ausgemacht. Immer wieder schwärmte Schuster vom Madrider Santiago-Bernabeu-Stadion: „Was für ein Stadion – das ist eine ganz besondere Atmosphäre. So macht Fußball richtig Spaß.“ Und die Fans schwärmten für ihn. Seit die Tage des italienischen Coachs Fabio Capello gezählt sind, gilt der 47-Jährige als heißester Anwärter auf die Nachfolge. Denn Schuster gelang in den vergangenen zwei Jahren eine jener Erfolgsgeschichten, die rar geworden sind im Profi-Fußball: Er führte den unbedeutenden Abstiegskandidaten FC Getafe auf Platz 10 der spanischen Liga. „Schuster, quedate – Schuster, bleib bei uns!“ skandierten eingeschworene Real-Madrid- Fans, als er mit seiner Elf Anfang März zu einem Ligaspiel auflief und dem Rekordmeister ein 1:1 abrang.

Der „blonde Engel“ ist in Spanien, wo er 13 Jahre erfolgreich lang spielte, beliebter als er es in Deutschland je war. Obwohl er einer der besten Spieler seiner Zeit war, machte er lediglich 21 Länderspiele und war nur beim Gewinn der Europameisterschaft 1980 dabei, weil er ständig mit dem DFB im Clinch lag. Als 19-Jähriger heiratete er die sechs Jahre ältere Gaby – eine Spielerfrau der neuen Art. Sie wurde seine Managerin und stand für ihr offensives Auftreten in der Männergesellschaft Fußball stets heftig in der Kritik. Schuster war immer eine Reizfigur, kein Vereinswechsel fand ohne Wirbel statt.

Zu einem möglichen Engagement als Trainer bei Real sagte er lange nur, dass er „perfekt vorbereitet“ sei. Danach schwieg er wieder – „aus Respekt vor Real Madrid“. Befragt nach seinem Erfolgsrezept sagte Schuster mal, er habe mit „deutschen Tugenden“ auf der iberischen Halbinsel triumphiert. Als solche gelten in Spanien auch klare Aussagen.

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