Meinung : „Ich bin wie ein gutes Pferd“

Michael Schmidt

Felipe Calderón will die kommenden sechs Jahre Mexiko regieren. Dabei kann sich der 44-jährige Politiker der konservativ-katholischen Partei der Nationalen Aktion (Pan) auf einen Wählerauftrag berufen. Dennoch wird er gute Nerven brauchen. Denn die Wahlen am 2. Juli hat der Sohn eines Pan-Gründers mit dem hauchdünnen Vorsprung von 0,56 Prozent der Stimmen gegenüber dem so populistischen wie populären Linkspolitiker López Obrador gewonnen – und der erkennt seine Niederlage nicht an.

Der neue Präsident will am Kurs von Liberalisierung, Privatisierung und Globalisierung festhalten, den sein Vorgänger Vicente Fox eingeschlagen hat. Der Linken gilt der Strenggläubige als Kandidat der Reichen und der Eliten. Nach seinem Wahlsieg hat er jedoch alsbald eingesehen, dass eine nationale Versöhnung nur möglich sein wird, wenn er sich zugleich die Bekämpfung der Armut auf die Fahnen schreibt.

Calderón steht im Ruf, wenig charismatisch, aber überaus ehrgeizig und zielstrebig zu sein. Er weiß zu verhandeln, Kompromisse zu erzielen und immer wieder aus der Situation des vermeintlichen Underdogs heraus erfolgreich zu sein. So schaffte es der Harvard-Absolvent, in den Wochen vor den Wahlen einen großen Rückstand in den Umfragen auf López Obrador wettzumachen. „Ich bin wie ein gutes Pferd. Je höher die Hindernisse, desto höher springe ich, und ich schaffe sie alle“, sagt der dreifache Vater von sich.

Im Wahlkampf diente er sich dem 100-Millionen-Volk als Saubermann an – was in einem Land, in dem Korruption an der Tagesordnung ist, offenbar viele überzeugte.

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