Meinung : „Ich bleibe bei der Marine“

Elke Windisch

Er wolle auf jeden Fall weitermachen, sagte Wjatscheslaw Miloschewskij, der Kommandant des russischen Tauchboots AS-28 „Pris“, als Verteidigungsminister Sergej Iwanow die siebenköpfige Besatzung gestern im Krankenhaus besuchte. Die „Pris“ war am Donnerstag vor der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka in 190 Metern Tiefe gekentert und am Sonntag, in letzter Minute bevor den Matrosen der Sauerstoff ausging, gerettet worden.

Miloschewskij, 25, und Vater zweier Mädchen – Zwillinge –, lächelt auf dem Hochzeitsfoto, das ihn mit Ehefrau Jelena zeigt, genauso linkisch und schüchtern wie beim Blitzlichtgewitter der Fotografen, als die Geretteten wieder festen Boden betraten. Er wohnt mit seiner Familie in einer trostlosen Marinesiedlung am Ufer der Barentssee. Dort wohnten auch die meisten Angehörigen der 118 Matrosen, mit denen das Atom-U-Boot „Kursk“ fast genau vor fünf Jahren unterging.

Obwohl das dreitägige Drama um Miloschewskijs Tauchboot gut ausging, sind Parallelen zur „Kursk“ nicht zu übersehen. Zwar bat die russische Kriegsmarine, die beim Untergang der „Kursk“ Hilfe des Westens brüsk ablehnte, diesmal unmittelbar selbst um Unterstützung. Mit Hilfe westlicher Technologie gelang denn auch die Rettung. Dennoch hatte die Flottenführung sich, solange nur irgendwie moralisch vertretbar, an die Hoffnung geklammert, mit der Havarie aus eigenen Kräften fertig zu werden. Aus Prestigegründen und der tief verwurzelten Angst vor ausländischen Spionen. Eben darum übte Russland bei gemeinsamen Manövern mit der Nato bisher auch nur die Rettung über Wasser, nicht jedoch die Bergung von U-Booten.

Unverständlich bleibt auch, warum Russland nach dem Unglück der „Kursk“ zwar für 40 Millionen Dollar Bergungstechnik im Westen zusammenkaufte, sich jedoch keinen der britischen „Scorpion“-Tauchroboter zulegte, die ganze anderthalb Millionen kosten und nun bei der „Pris“ zum Einsatz kamen. Hohe Admiräle sollen bei einschlägigen Geschäften angemessene Provisionen kassiert haben. Auch dafür dürfte sich in Kürze die Militärstaatsanwaltschaft interessieren. Präsident Wladimir Putin jedenfalls verlangt eine schonungslose Aufklärung.

Gestern wurde bereits Wladimir Kurojedow, der Chef der russischen Seekriegsflotte, der auch den Untergang der „Kursk“ zu verantworten hatte, entlassen. Personelle Konsequenzen reichen jedoch nicht aus, gefragt sind effektive Reformen der russischen Streitkräfte.

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