Meinung : „Ich bringe 50 Jahre …

Tilmann Warnecke

… Schule mit.“

In die Politik wollte Barbara Sommer eigentlich nie. Drei Herren könne und wolle sie nicht gleichzeitig dienen, hat sie einmal gesagt. Ihr „Clan“, wie sie ihre Großfamilie mit fünf Kindern, ihrem Ehemann, den Eltern und vier Hunden nennt, und ihr Beruf als Schulamtsdirektorin andererseits würden ihr unmöglich Zeit für eine dritte den Tag füllende Beschäftigung lassen.

Nun ist die 56-Jährige doch als Schulministerin in Jürgen Rüttgers neues Kabinett in Nordrhein-Westfalen eingetreten. Ihre Berufung war auch für die CDU eine Überraschung, der sie seit immerhin 25 Jahren angehört. Dass die Ostwestfälin – noch – ein politisches Leichtgewicht ist, sagt sie selbst. Aber sogar der politische Gegner gibt zu, dass sich in Nordrhein-Westfalen wohl kaum eine Zweite finden lässt, die mehr praktische Erfahrung hat, wenn es um das Thema Schule geht.

Gleich nach dem Abitur hat sie 1968 angefangen, Pädagogik zu studieren. Mehr als 20 Jahre unterrichtete Sommer Grund- und Hauptschüler. Dann wechselte sie die Seiten, in die Schulverwaltung, erst als Schulrätin und zuletzt als Schulamtsdirektorin in Gütersloh. Ihre Kinder, die zwischen 15 und 24 Jahre alt sind, gehen zum Teil noch aufs Gymnasium. „Ich kenne die Schule in- und auswendig. Das ist das einzige Pfund, das ich mitbringe“, stellte sie sich ihren neuen Mitarbeitern im Ministerium vor.

Und so beantwortete sie gleich bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in einer Telefonaktion Fragen von Schülern. Ruhe für Beratungen hat sie sich ansonsten für ihre ersten Wochen als Ministerin erbeten. Dieser Wunsch wird wohl kaum in Erfüllung gehen. Die CDU hat im Wahlkampf die Schulpolitik zu einem der wichtigsten Themen ausgerufen. 4000 neue Lehrerstellen hatte Rüttgers versprochen. Wie viele es bis zum nächsten Schuljahr tatsächlich sein werden, verschwieg Sommer in ihrer Antrittsrede noch. Immerhin konnte sie durchsetzen, dass trotz Haushaltssperre überhaupt Lehrer eingestellt werden.

Spätestens in der kommenden Woche wird sie erklären müssen, wie sie sich die Schule der Zukunft vorstellt. Dann werden die neuen Ergebnisse der Pisa-Studie vorgestellt – Nordrhein-Westfalen kam beim letzten Mal im Vergleich der Bundesländer nur auf den zehnten Platz. „Ich stehe für eine pragmatische und nicht für eine ideologische Schulpolitik“, hat sie bereits angekündigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben