Meinung : „Ich danke dem lieben Gott“

Joachim Huber

Das ist echt krass. Senna Gammour würde sogar sagen, oberkrass. Die Frankfurterin vom Main gehört seit Donnerstagabend, seit dem Finale des fünften „Popstars“-Wettbewerbs, zum Siegertrio „Monrose“. Der Bandname und die erste Single „Shame“ passen bestens zu Mandy, 16 und aus Bürstadt, und Bahar, 18, aus Freiburg. Senna Gammour ist 26 und so was von anders drauf als die beiden heulsusigen Teenies in der Band. Senna G. ist Deutsche mit marokkanischem Migrationshintergrund, sie hat allerhand erlebt.

Offensichtlich hat sie noch keinen Job länger als zwei Monate durchgehalten, in der Biografie, die der „Popstars“-Sender Pro 7 verbreitet, wird „Kellnerin“ als Beruf angegeben. Nach anderen Quellen war Senna Gammour auch Türsteherin, da hat sie wohl mal hingelangt. „Besonderheit: Senna ist eine alte Freundin von Bushido“, teilt Pro 7 mit. Bushido, der Berliner, war früher ein „Gangsta-Rapper“. Wie Gammour bei der Mutter aufgewachsen, Vater verschwundener Tunesier, Gammours Vater starb, als sie zwölf war. Verschlungen waren die „Wege des Kriegers“, wie Bushidos Samurai-Künstlername zu übersetzen ist. Jetzt will er nur noch Musiker sein, es geht Richtung „Bravo“-Titelheld.

Auch Senna Gammour hat den Rap als Konstante in ihrem unruhigen Leben genannt. Und den Glauben: „Ich danke dem Herrn, dass er mir die Kraft gegeben hat, dies alles hier durchzustehen“, sagte die gläubige Muslimin. Und die Mutter: „Sie hatte schon gedacht, aus mir wird nichts mehr.“ Mutter Gammour stürmte mit Großfamilie und Kopftuch auf die Bühne und herzte ihre Tochter, die das Publikum zu spalten versteht, wo Mandy und Bahar versöhnen wollen. Senna Gammour sagte während der Ausscheidungsrunden, sie sei mit jeder Mitbewerberin krass, oberkrass sei sie mit keiner. Ex-Freunde nennt sie „Leiche“, die Kür zum „Röschen“ beschrieb sie bei Raab so: „Das ist, wie wenn ein Bulle dich beim Einbruch erwischt.“ Und schob hinterher: „Spaß beiseite, ein geiles Gefühl.“

Senna Gammour ist 26, älter als bisherige „Popstars“. Vielleicht zerlegt sich die Band „Monrose“ schon morgen. Könnte an Gammour liegen, sie hat die Tendenz zur überbordenden Präsenz, zur Verdrängung. Oder die Migrantin wird mehr denn je das sein, was sie in den vergangenen Wochen gewesen ist. Sie war die integrative Kraft, mitfühlend, motivierend – zugleich unbequem. Einige hatten Angst vor ihr wie vor der älteren Schwester.

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