Meinung : „Ich drücke beiden Teams die Daumen“

Elisabeth Binder

Ihr Glück begann 1972 bei den Olympischen Spielen in München. Da sollte die deutsche VIP-Hostess Silvia Sommerlath den schwedischen Thronfolger Carl Gustav betreuen. Vier Jahre später fand in der Storkyrka, der größten Kirche Stockholms, eine Märchenhochzeit statt, die zelebriert wurde vom Oberhaupt der schwedischen Kirche, Erzbischof Olof Sundby, und einem Onkel der Braut, dem inzwischen verstorbenen Leipziger Theologen Ernst Sommerlath. Ganz Stockholm badete damals in einem Meer von blaugelben Flaggen. Die Braut war erst am Tag vor der Hochzeit Schwedin geworden. Am morgigen Sonnabend nun, wenn bei der Fußball-WM Deutschland auf Schweden trifft, schlägt Silvias Herz für beide Mannschaften.

Für viele Deutsche mit Sinn für die bunteren Aspekte des Lebens blieb sie auch in den folgenden Jahren immer „unsere Silvia“. Wenn sie zu Besuch kam, dann nicht immer mit großem Hofstaat wie beim Staatsbesuch im April 1993, als sie an der Seite von König Carl Gustav zum ersten Mal durchs Brandenburger Tor ging. Da erinnerte sie sich an ihre Schulzeit als 15-jähriges Mädchen. Damals lebte sie mit ihren inzwischen verstorbenen Eltern, der Mutter Alice, die dem alten spanischen Adelsgeschlecht de Toledo entstammte, und dem Vater Walther Sommerlath eine Weile in Berlin-Nikolassee. Als Kind verbrachte sie außerdem elf Jahre in Brasilien. Später ließ sie sich in München in sechs Sprachen zur Dolmetscherin ausbilden.

Nach ihrer Hochzeit schaffte sie es, innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Mitglied der königlichen Familie zu werden und so auch gewissermaßen zu einer Garantin des Fortbestands der modernen Monarchie. Im Juli 1977 brachte sie Kronprinzessin Victoria zur Welt, zwei Jahre später folgte Prinz Carl und 1982 Prinzessin Madeleine. In den letzten Jahren kam sie häufiger zu Besuch nach Berlin, um ihren im Februar verstorbenen Bruder Jörg Sommerlath zu besuchen.

Großes Ansehen erwarb sich Königin Silvia durch ihr vielfältiges soziales Engagement, vor allem für schutzlose und ausgebeutete Kinder. Unermüdlich wirbt sie um Förderer für ihre hochangesehene Stiftung World Childhood Foundation. Sie ist Schirmherrin von 62 wohltätigen Organisationen und mehrfache Ehrendoktorin. 30 Jahre nach der Traumhochzeit ist ihr Deutsch inzwischen von einem ganz leichten, aber sehr charmanten schwedischen Akzent eingefärbt.

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