Meinung : „Ich duze den Oettinger seit 15 Jahren“

Hans Monath

An seinen Auftritt auf dem Parteitag der Grünen in Oldenburg hatten sich große Erwartungen gerichtet. Winfried Kretschmann gilt nicht nur als alter Streiter für schwarz-grüne Bündnisse, die der Ökopartei nach dem Machtverlust nun eine neue Perspektive geben könnten. Die Rede des Grünen-Fraktionschefs aus dem Stuttgarter Landtag versprach auch spannend zu werden, weil in Baden-Württemberg im nächsten Jahr gewählt wird. Zeit für den Aufbruch der Grünen hin zu einer Koalition mit der CDU?

Recht gemacht hat es der bedächtige 57-Jährige, der als Student beim linksradikalen KBW aktiv war und heute dem Zentralrat der deutschen Katholiken angehört, in Oldenburg keinem der Parteilager. Weder den Freunden der bürgerlichen Öffnung noch den Hohepriestern linker Identität. Einige Delegierte pfiffen und buhten, als Kretschmann offenbarte, dass er sich mit CDU-Landeschef Günther Oettinger seit 15 Jahren duze und es keine kulturellen Barrieren zwischen den Parteien gebe. Den Berliner Hans-Christian Ströbele, der seine Direktwahl als Muster für ein dezidiert linkes Parteiprofil empfiehlt, feierten die gleichen Delegierten wenig später frenetisch.

Doch Kretschmann enttäuschte auch Schwarz-Grün-Freunde, die sich von ihm eine kämpferische Verteidigung dieser Option gewünscht hatten. Denn der bekennende Christ redete die Chancen eines solchen Bündnisses überhaupt nicht schön. Weder die Bedeutung der Ökologie noch die der Bildung habe die CDU verstanden, klagte der Fraktionschef: „Mit denen können wir doch keine Koalition machen. Jetzt heißt es erstmal: Gegen sie kämpfen um ihre Wähler.“ So wütend wurde da ein bekannter Reformpolitiker auf Kretschmann, dass er von „der unterirdischsten Rede des Parteitags“ sprach. Aus Stuttgart hatte er sich Auftrieb gewünscht, denn bei den vier anderen Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind die Chancen für eine Regierungsbeteiligung aus Grünensicht eher gering. Kretschmann setzte zum Schluss seiner Rede sogar ganz auf die Koalition mit der SPD. Schwarz-Grün scheint gegenwärtig sehr wenig Konjunktur zu haben in den Reihen der Ökopartei.

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