Meinung : „Ich gehe nicht in den Ruhestand“

Gerd Appenzeller

Berlins CDU, die Partei mit der selbstquälerischen Tendenz, Personalangebote von außen zu ignorieren und lieber im eigenen Saft zu verschmoren, bleibt sich treu. Nein, mit Klaus Töpfer wolle man sich jetzt nicht treffen, sagt Generalsekretär Frank Henkel. Der UN-Politiker sei zwar grundsätzlich als Spitzenkandidat für die nächsten Wahlen zum Abgeordnetenhaus geeignet, aber „die CDU fokussiert sich nicht auf ihn“. Und gesucht würde ohnedies erst nach der Wahl.

Was klug klingt, ist dumm gedacht. Der 67-jährige, frühere Bundesumwelt- und Bauminister will nach einem möglichen Wahlsieg der Union am Sonntag in einer Regierung Merkel nichts werden. Also kann man mit ihm auch heute schon reden. Vielleicht ist es sonst zu spät. Töpfer, der seit sieben Jahren überaus erfolgreich von Nairobi aus das Umweltprogramm der Vereinten Nationen leitet, hat dem „Spiegel“ gerade ganz allgemein erklärt, dass er sich „ein Leben ohne Parteipolitik“ ganz gut vorstellen könne – und Berliner Parteipolitik im Speziellen kann von ganz besonders kleinem Karo sein.

Ähnlich wie Wolfgang Schäuble, dem die Berliner CDU bei der letzten Wahl die berühmte Wahlkampflokomotive Frank Steffel vorzog, hat Töpfer es nicht nötig, um die Chance eines Vorstellungsgesprächs zu bitten. Menschen mit einem nicht ganz so kurzen Gedächtnis erinnern sich noch, dass Töpfer als Umzugsbeauftragter der Bundesregierung 1994 der lustlosen FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer nachfolgte und für einen reibungslosen Wechsel von Bonn nach Berlin sorgte. Er war es, der die rheinische Politik davon überzeugte, dass man in Berlin nicht alles teuer neu bauen musste, sondern auf historisch gewachsene Bausubstanz zurückgreifen könne. Ohne ihn wären vermutlich weder das Finanzministerium in der Leipziger Straße noch die Ressortsitze in der Invalidenstraße zu modernen Behördenzentren ausgebaut worden. Bis dahin galt der dubiose Satz von der „historischen Kontaminierung“ der Altbauten. Dass Töpfer diese Überzeugungsarbeit gelang, hängt auch mit seiner Kontaktfreude und seiner Verankerung in der CDU zusammen.

Man kann davon ausgehen, dass Klaus Töpfer an einer neuerlichen Berliner Aufgabe wieder Spaß finden würde. Er hat, zwischen 1994 und 1997, das Flair dieser Stadt förmlich aufgesogen und viele Miesepeter durch seine Begeisterung gewonnen. Er wäre also genau das, was die Stadt jetzt bräuchte.

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