Meinung : „Ich gehe nicht nach Erfurt...

Hans Monath

...egal, wie die Wahl ausgeht.

Mit Aussagen grüner Politiker, welches Amt sie auf keinen Fall übernehmen wollten, hat die deutsche Politik so ihre Erfahrungen gemacht. Er wolle nicht Außenminister werden, versicherte Joschka Fischer vor 1998 ein ums andere Mal, während er intern schon Posten verteilte. Wenn am Sonntag in Thüringen der Landtag gewählt wird, könnte wieder eine wichtige Grüne vor der Entscheidung stehen, ob sie sich trotz Festlegung neu orientieren will.

Im Unterschied zu Fischer vor sechs Jahren darf man der Thüringerin und Fraktionschefin der Grünen im Bundestag getrost unterstellen, dass sie bleiben möchte, was sie ist, gerne weiter auf Bundesebene wirkt und dass sie wenig in die Landesregierung nach Erfurt zieht. Doch wenn die Grünen die Fünfprozenthürde schaffen sollten und erstmals wieder in einen Ost-Landtag einziehen, während die FDP weiter draußen bleibt, verliert die CDU voraussichtlich die absolute Mehrheit und braucht einen Partner. Dass dann SPD, PDS und Grüne koalieren, gilt in Thüringen nur als Wahlkampfbehauptung der Union. Also wird Dieter Althaus, der Ministerpräsident bleiben will, mit SPD und Grünen verhandeln.

Auf Göring-Eckardt, die von Plakaten wirbt, ohne für den Landtag zu kandidieren, lastet dabei eine besondere Verantwortung. Denn die Generation grüner Bundespolitiker, die 20 Jahre nach Fischer geboren ist, hat noch kein eigenes Projekt für die Zeit nach dem Abgang des Patriarchen. Die zweifache Mutter ist die Einzige aus der jüngeren Politikerriege der Partei, die für ein neues politisch-kulturelles Profil steht – für Schwarz-Grün.

Dem linksalternativen Großstadt-Milieu, das die meisten Spitzengrünen geprägt hat, steht die frühere Theologie-Studentin eher fremd gegenüber. Die 38-Jährige, die über die kirchliche DDR-Opposition zur Politik kam, hat wesentlich daran mitgewirkt, ihre Partei zur Kämpferin für eine aktive Familienpolitik zu machen – und musste dazu allergische Abwehrreaktionen der Nach-68er überwinden, denen Freiheit wichtiger ist als Bindung und Verantwortung. Den Grünen hat das genützt.

Auf zwei Dinge wird es wesentlich ankommen: dass die Gemeinsamkeiten mit der CDU ausreichen und dass die Grünen ihren unerfahrenen Thüringer Abgeordneten zutrauen, die neue Koalitionsoption zu einem Erfolg zu machen. Eines steht jetzt schon fest: Falls sich die Möglichkeit dazu ergibt, wird der Druck auf Göring-Eckardt groß werden, doch nach Erfurt zu gehen.

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