Meinung : „Ich gehe zu jedem eurer Wähler“

Christoph von Marschall

Seit einem Vierteljahrhundert kämpft Ted Stevens für sein Lieblingsprojekt: seine Heimat Alaska zu einem reichen Ölstaat zu machen und die USA von ihrer Abhängigkeit vom Mittleren Osten zu befreien, die so viele Probleme nach sich zieht. Gewiss, da ist ein Problem: Das Terrain liegt in einem Naturschutzgebiet. Aber er will ja nur noch 2000 Acre (800 Hektar) davon, was dem Gelände einer größeren Farm entspricht. Die Misserfolge haben den 82-Jährigen bescheiden werden lassen.

Noch nie war er so nah dran wie in der Nacht zum Mittwoch: Das Vorhaben war Teil des Pentagonhaushalts, der eine Mehrheit finden würde, nachdem auch das Folterverbot dort angehängt war. In den USA ist es üblich, Gesetzespakete aus verschiedenen Bereichen zu schnüren. Durch Zugeständnisse an Parlamentarier sichern sich die Parteiführer Mehrheiten. Doch wieder scheiterte Stevens. Über Verfahrensregeln trennten die Demokraten die Ölbohrpläne ab vom Verteidigungsbudget. Vergeblich beschwor er seine Kollegen: Nie habe ich euch im Stich gelassen, wenn ihr meine Stimme brauchtet. Ein anderer Veteran – zusammen sind sie 170 Jahre alt –, der Demokrat Robert Byrt, trat ihm entgegen: Bei aller Liebe zu Stevens, diese Vermischung gehe zu weit. Zornig quittierte der Alte aus Alaska seine Niederlage: „In jeden einzelnen Staat werde ich fahren und euren Wählern sagen, was ihr heute getan habt!“

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