Meinung : „Ich habe alles erreicht, …

Stephan-Andreas Casdorff

… was man in der Politik erreichen kann.“

Er ist der erfolgreichste Wahlkämpfer der Grünen. Nein, nicht Joschka Fischer – Rezzo Schlauch. Ob in Crailsheim oder in Stuttgart, ob bei Wahlen zum Oberbürgermeister oder zum Landesparlament, „der Rezzo“, wie ihn alle Welt nennt (und alle Welt kennt), holte Stimmen. Meist verdoppelte der Pfarrerssohn mit dem Ritternamen sie sogar. Die Grünen im „Ländle“ haben dem Mann aus dem Hohenlohischen viel zu verdanken. Und wäre die SPD in Baden-Württemberg nicht so, wie sie dort ist, nämlich manchmal engstirnig – er wäre heute sicher ein beliebter OB in Stuttgart, Hauptstadt des erfolgreichsten Bundeslandes. Das war 1996, als er im zweiten Wahlgang hätte gewinnen können, die SPD aber ihren aussichtslosen Kandidaten nicht zurückzog.

Schlauch, temperamentvoll, lebenszugewandt, volkstümlich, wird bis heute unterschätzt. Und auch von seiner Partei außerhalb des Ländles nicht so geschätzt, wie er es verdient hätte. Dabei hat er, ja doch!, einen strategischen Blick auf Politik. Früh hat er sich mit ökologischer Landwirtschaft beschäftigt und Verbraucherfragen; heute gibt es dafür eine grüne Bundesministerin. Früh hat er die Grünen ermahnt, über die Städte die Mitte zu suchen; heute sind sie in liberalen Großstädten stark. Früh hat er für Reformpolitik geworben (später auch im Tarifrecht), für einen „Paradigmenwechsel hin zur Regierungsfähigkeit“, für einen Kanzler Gerhard Schröder – immer wieder früher als andere. Im letzten Fall viel früher als Fischer. (Übrigens: Beide sind im selben Ort geboren, in Gerabronn.)

Fischer hat ihm, auch deswegen, einiges zu verdanken. Schröder mag Schlauch, und dessen Wort gilt bei ihm. Schlauch ist immer für Fischer eingestanden, beim Kanzler, im Bundestag. Und er hat wichtige Ämter innegehabt. Er war Fraktionschef. Jetzt ist er Staatssekretär für den Mittelstand. Vor Jahren hatte die FDP dieses Amt, da kannte keiner den Namen des Inhabers.

Es stimmt, er reist viel herum. Da gibt es schon mal Bonusmeilen… (Über die Geschichte und seine Dummerhaftigkeit ärgert er sich bis heute.) Aber einiges kommt dabei wohl auch rum. Der Mittelstand hat ihn ausgezeichnet, so wie vorher, zum Beispiel, Bill Clinton oder jetzt Kurt Beck.

Im Oktober wird Rezzo Schlauch 58. Im nächsten Jahr hört er im Bundestag auf. Vielleicht war er manchmal zu weich und zu wenig asketisch. Er wird wieder als Anwalt arbeiten. Und ein Mal im Jahr predigen.

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