Meinung : „Ich habe keinen …

Malte Lehming

… starken, harten Beweis gesehen.“

Es gibt Momente im Leben eines Politiker, da sagt er unüberlegt die Wahrheit, darf es aber nicht, er bemerkt seinen Fehler und muss die Wahrheit schließlich wieder dementieren. Einen guten Eindruck macht das nicht. Donald Rumsfeld, der US-Verteidigungsminister, war bislang für zwei Eigenschaften berühmt: für provozierend prägnante Flapsigkeiten und kunstvoll beredte Nichtigkeiten. Zu den eher anstößigen Bemerkungen zählt der Begriff vom „alten Europa“. Wenn es um das Chaos im Irak geht, neigt der 72-Jährige zur Bagatellisierung. Bei der Folteraffäre versprach er erst Aufklärung, dann tauchte er ab.

Nun ist er wieder da. Haben Saddam Hussein und Osama bin Laden kooperiert? „Ich habe keinen starken, harten Beweis für eine Verbindung der beiden gesehen“, sagte Rumsfeld am Montag in New York. Die Verbindung war einer der Hauptkriegsgründe gewesen. Gibt die Bush-Regierung zu, sich geirrt zu haben? Stunden später folgte der Rückzieher. In einer Pressemitteilung bedauerte Rumsfeld, missverstanden worden zu sein. Seit September 2002 behaupte er, dass es Verbindungen zwischen Irak und Al Qaida gegeben habe. Dabei bleibe er. Er gründe dieses Urteil auf Erkenntnisse der CIA.

Ist die Sache damit aus der Welt? Wohl kaum. Rumsfeld hat sie allenfalls verschlimmbessert. Die US-Regierung wollte den Krieg. Die Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes haben eher gewarnt. Jetzt ist der Schlamassel groß, und ausgerechnet die CIA wird verantwortlich gemacht. Nicht etwa Rumsfeld wird zur Rechenschaft gezogen für seine Besetzungspläne. Dabei gibt inzwischen selbst Paul Bremer, der Ex-Zivilverwalter im Irak, zu: „Wir hatten niemals genügend Streitkräfte am Boden.“ Was bleibt, ist ein schwacher Trost: Reizfigur Rumsfeld wird, einerlei, wer die Wahl gewinnt, als Verteidigungsminister höchstwahrscheinlich ersetzt.

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