Meinung : „Ich habe mich nie leiten lassen“

Helmut Schümann

Rebell war er eigentlich schon immer. Großer Gott, was hat er damals gegen den Vater, den Amtsrichter, rebelliert, als er auf dem heimischen Briloner Marktplatz mit dem Mofa um die Pommesbude gebrettert ist. Einmal hat es der junge Friedrich aber zu arg getrieben. Da hat er die Tür zum Klassenzimmer ausgehoben, da war das Sauerland in seinen Grundfesten erschüttert.

Später wurde Friedrich Merz dann allerdings ebenfalls Jurist wie der Vater, der Rebell in ihm aber ist nicht zu unterdrücken, der will immer wieder raus. Der zeigte sich im Kampf gegen Angela Merkel, der focht als Steuer-Rebell mit Bierdeckeln, nun begehrt er auf gegen die Veröffentlichung seiner Nebeneinkünfte. Die sind, das am Rande, wohl recht üppig, Merz bezieht seine Diät als Abgeordneter, also 7009 Euro, und ist Anwalt für die Kanzlei Mayer, Brown, Rowe & Maw LLP, und für die AXA-Versicherung, die Commerzbank und die BASF ist er es auch. Die Einkünfte daraus möchte man schon verheimlichen, auch wenn der Bundestag beschlossen hat, dass der Abgeordnete transparent zu sein hat. Aber kann sich ein wahrer Rebell von einem demokratischen Beschluss aufhalten lassen?

Andererseits: Ist Friedrich Merz nicht einfach nur ein „rebel without a cause“, weil er doch recht eigentlich nie einen Grund hat zu opponieren? Die pubertären Anwandlungen legten sich alsbald, und Merz, heute 50 Jahre alt, trat der Jungen Union bei. Die Attacke gegen Merkel, nun, da war er gemachter Mann, Fraktionsvorsitzender und einer der prominentesten Politiker im Lande. Zudem klug, spitzzüngig, ironisch, ein Mann, mit dem man gerne am Tresen steht, auch wenn man seine Ansichten nicht teilt. Den Merkelkampf hat er verloren, mit einer Steuerreform hat er nichts mehr zu tun, jetzt setzt er sich mit seiner Nebeneinkünfte-Geheimhaltung in die Nesseln. Bei Licht gesehen ist unser James Dean aus dem Hochsauerlandkreis der Wahlverlierer auf der ganzen Linie.

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