Meinung : „Ich habe nichts mehr zu sagen“

Bernd Matthies

Das Landgericht in Frankfurt am Main wird heute einen Freispruch verkünden. Ein anderes Urteil im Prozess gegen den Fernsehmoderator Andreas Türck ist kaum denkbar, denn selbst der Staatsanwalt hat auf diesen Freispruch plädiert. Was Türck passiert sei, sagte er, sei die „Umdeutung eines einvernehmlichen Oralverkehrs in eine Gewalthandlung“ – eine seelisch aufs Äußerste verwirrte Zeugin, so meint er nach Würdigung der Beweise, habe den erotischen Kontakt nicht realistisch verarbeitet, sondern in eine Wahnwelt eingeordnet, zerstörerisch für sich selbst, zerstörerisch für Türck.

Der TV-Star, bis zu den Ermittlungen der Polizei steil auf dem Karriereweg nach oben, musste von einem Tag auf den anderen selbst erleben, wie sich die Emotionsorkane in den Hinterzimmern der Republik anfühlen, die er bis dahin immer nur aus der sicheren Warte des Moderators beobachtet, vielleicht auch entfesselt hatte. Die Zeugenaussagen zeigten ihn als notorischen Leichtfuß, als Strahlemann und Frauentyp, der nicht lange reden muss, um zu bekommen, was er will. Er hat Katharina B. in einer Kneipe aufgelesen, hat sie im Auto mitgenommen, sich von ihr auf einer Brücke oral befriedigen lassen und sie dann an der nächsten Tankstelle abgesetzt – das ist unstrittig. Moralisch mag das verwerflich sein, es hat ihm den Vorwurf eingetragen, er habe keine Achtung vor Frauen, betrachte sie als Wegwerfartikel. Doch strafrechtlich ist das irrelevant, und ein Fall für den Staatsanwalt wurde es erst, als Polizisten einen Dealer abhörten, dem Katharina B. am Telefon ihre, wie wir nun wissen, „umgedeutete“ Version der Sache mit Türck erzählte.

Die meistgestellten Fragen nach der Beweisaufnahme lauteten deshalb: Wie war es möglich, dass nach ersten Ermittlungen überhaupt Anklage erhoben wurde? Und warum hat das Gericht auf dieser flauen Grundlage den Prozess eröffnet? Der Vorwurf, man habe an einem Prominenten ein Exempel statuieren wollen, dürfte nur schwer aus der Welt zu schaffen sein.

Das Verfahren lässt ausschließlich Opfer zurück. Dennoch wird Andreas Türck wohl leichter mit seinem Schicksal zurechtkommen als die junge Frau, die ihm auf der Brücke ein wenig Erleichterung verschaffte. Pro 7 hat ihm neue Zusammenarbeit angeboten, Dieter Wedel will den „fürchterlichen Absturz“ verfilmen. Eine Art Happy End also. Katharina B. hat nichts davon.

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