Meinung : „Ich habe niemandem geschadet“

Matthias Meisner

Er sieht sich als „Kind der DDR“. Doch warum das gleich heißen muss, für die Stasi gearbeitet zu haben, kann Bernhard Walther nicht so recht erklären. Am Wochenende ist der 47-jährige Steuerberater zum Schatzmeister der Linkspartei gewählt worden – die Debatte um seine Biographie führte dazu, dass er das Amt zunächst nicht annimmt. Und ob er jemals als Kassenwart für die PDS agieren wird, ist offen. Das will deren Vorstand entscheiden, wenn er Einsicht in die Akten der Birthler-Behörde genommen hat.

Ein netter Kerl, sagen Weggefährten über den Mann, der vor der Wende das Festival des Politischen Liedes in der DDR mitorganisierte. Er habe „bestimmt niemandem geschadet“. Das beteuert er auch selbst, wenn er zugibt, im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im DDR-Außenhandel eine Verpflichtungserklärung als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit unterschrieben zu haben. Die Tatsache, dass Walther ein Spitzel war, hat wiederum auch manchen seiner langjährigen Bekannten überrascht. Um die Frage, was er wirklich bei der Stasi gemacht hat, drückt sich Walther herum: „Im Wesentlichen“ habe er „über Sachen berichtet, nicht über Kollegen in dem Sinne“.

Damals, in der DDR, war für ihn alles irgendwie folgerichtig. Nach dem Abitur studierte er an der Hochschule für Ökonomie „Bruno Leuschner“ in Berlin-Karlshorst Außenwirtschaft, 1976 trat er als 18-Jähriger in die SED ein. 1981 stieg er beim Außenhandelsbetrieb Sket Export-Import ein, keine Frage für ihn, da auch mit der Stasi kooperieren zu müssen. Die Verpflichtungserklärung hat er, wie er heute sagt, aus der „idealistischen und naiven Hoffnung“ heraus unterschrieben, „damit einen Beitrag zur Stärkung der DDR zu leisten“.

Längst geht es gar nicht mehr nur um Walther. Sondern um die Frage, wie die Linkspartei insgesamt zur Vergangenheit steht. Parteivize Dagmar Enkelmann sagt, Walther habe trotz nachdrücklicher Aufforderung dem Parteitag nicht die Chance gegeben, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Sachsens PDS-Chefin Cornelia Ernst, die ihren eigenen Fraktionschef seit Monaten gegen Stasi-Vorwürfe verteidigt, meint, man dürfe sich „nicht einfach ergeben“. Parteichef Lothar Bisky, der Walther präsentiert hat, hofft, am Ende doch noch mit einem blauen Auge aus der Sache rauszukommen: Vielleicht stehe in Walthers Akte ja auch nichts drin.

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