Ich habe verstanden : Matthias Kalle möchte nicht, dass die CDU sich um ihn bemüht

Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht genug umworben fühlen würde – ich versteh nur den Zeitpunkt nicht so ganz. Angela Merkel sagte zum Beispiel in dieser Woche den Satz: "Die CDU ist eine Volkspartei für jeden." Also auch für mich.

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Matthias Kalle

Das wusste ich bis jetzt nicht, seit ich 1994 zum ersten Mal gewählt hatte, wähle ich stets dieselbe Partei, ohne Ausnahme, und dass einer wie ich für die CDU in Frage kommen könnte, das hätte ich niemals gedacht. Alleine die Jungs und Mädchen der Jungen Union schafften zu meiner Schulzeit durch ihre Art und Weise eine Abgrenzung, die ich auch für völlig korrekt hielt. Damals war klar: Die CDU ist keine Partei für mich – warum sollte die das denn jetzt sein?

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde man Wähler eine Partei aus unterschiedlichsten Gründen: manche wählten das, was schon ihre Eltern gewählt hatten, andere begeisterten sich für politische Persönlichkeiten – Willy Brandt überstrahlte seine Partei, Menschen wählten zuerst ihn, und dann die SPD. Und viele näherten sich „ihrer“ Partei durch Negation, zum Beispiel dadurch, dass man etwas überhaupt nicht wollte (Kohl als Kanzler). Wahl war damals tatsächlich so etwas wie Qual – man konnte wenig richtig machen, aber vieles falsch.

Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt seit einigen Jahren einen so genannten „Wahl-O-Mat“ ins Netz. Durch Beantwortung von 30 Fragen, die sich aus den Programmen der Partei ergeben, erhält man am Ende ein Ergebnis, nämlich welche Partei am besten zu einem passt. Bei mir steht da immer eine Partei, von der ich dachte, dass die nun am allerwenigsten zu mir passt – und natürlich bin ich der Empfehlung des „Wahl-O-Mat“ niemals gefolgt. Angela Merkel sagte den Satz übrigens im Rahmen der CDU-Vorstandsklausur, die Öffnung der Partei wurde einstimmig unterstützt, in der so genannten „Berliner Erklärung“ heißt es, man wolle sich verstärkt um die Wähler anderer Parteien bemühen. Ich möchte nicht, dass die CDU sich um mich bemüht. Ich möchte, dass die Partei sich bemüht eine Politik zu machen, an die sie glaubt – ob ich daran glaube, kann ich dann ja immer noch selber entscheiden. Außerdem bemühen sich so viele andere bereits um mich: Versicherungen, Banken, Waschmittelhersteller – man will ja auch mal seine Ruhe haben. Gott sei dank gibt es ja da noch die CSU. Die schaut skeptisch auf die „Berliner Erklärung“ der Schwesterpartei: „Konservativ, christlich, liberal, sozial – diese Begriffe allein sind zu wenig.“ In der CSU wächst angeblich die Sorge, es könne eine neue Partei rechts der Union entstehen, deshalb bräuchte man „Emotionen und Mobilisierung, um eine Identifikation mit den Parteien zu ermöglichen.“

Und ich dachte immer, dafür bräuchte man Inhalte und Argumente. Aber bis zur nächsten Bundestagswahl ist ja noch ein bisschen Zeit.

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