Meinung : „Ich habe vor jedem ersten Drehtag Angst“

Moritz Schuller

In Essen beginnt die Kultur in kleiner Münze. Hasse mal nen Euro?, fragt der Bettler, und dann entkommt ihm das Geldstück, klimpert die U-Bahntreppe hinab, rollt durchs ganze Ruhrgebiet, wandert von Hand zu Hand, und macht den Bettler reich und wieder arm: eine rasante, drei Minuten lange Verfolgung, ein Ballett eher, zur Musik von Max Herre, dem „Freundeskreis“-Musiker, mit Ingo Naujoks und Susanne Bormann, und, natürlich, mit einem Gastauftritt von Rudi Assauer, dem Manager von Schalke 04.

Der „1-Euro-Clip“, mit dem sich Essen als zukünftige Kulturhauptstadt Europas präsentiert, war eine Idee von Sönke Wortmann („Der bewegte Mann“, „Das Wunder von Bern“), er hat den Film auch produziert. Regie führte Klaus Schreiber. Der „Clip“ will vom „atemberaubenden Tempo“ und vom „urbanen Rhythmus des neuen Ruhrgebiets“ erzählen. Wortmann kennt das gut, das alte jedenfalls, er ist 1959 in Marl geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen, sein Vater war Bergmann. Und auch seinen Film über den deutschen WM-Gewinn hatte er in weiten Teilen im Essen der frühen 50er Jahre spielen lassen.

Wäre Görlitz und nicht Essen Kulturhauptstadt Europas geworden, aus Wortmanns Bettler-Film wäre der Abspann einer erfolglosen Bewerbung geworden: Nun kommt er in die Kinos, als Vorprogramm. Vielleicht nicht gerade in die von Görlitz.

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