Meinung : „Ich hasse …

Caroline Fetscher

… Nationalismus, aber ich liebe den Patriotismus.“

Seine E-Mails zeichnet der Mann, der sich seit 1999 Lord Ashdown of Norton-Subhamdon nennen dürfte, mit schlichten Understatement einfach als „Paddy“. Weil er Schnörkel und Ornamente ablehnt, ist der Mann der klaren Worte ebenso beliebt wie unbeliebt in Bosnien und Herzegowina, das er im Auftrag der internationalen Gemeinschaft als nicht gewählter Staatschef regiert.

Der ehemalige Offizier der britischen Royal Marines, einst liberaler Politiker in Großbritannien, darf in Bosnien tun, wovon andere Staatschefs träumen: In dem Vielvölkerstaat kann er obstruktive, korrupte, ultranationalistische Amtsträger jederzeit auf die Straße setzen. Seit etwa zwei Jahren macht der dynamische Mann, Kopf des Office of the High Representative (OHR), davon fleißig Gebrauch. Am Dienstag entließ Ashdown „mit tiefem Bedauern“ einen der drei Präsidenten des bosnischen Staatspräsidiums, Dragan Covic, denn gegen den ethnischen Kroaten liegt eine Anklage wegen Korruption vor. In solchen Fällen kennt Ashdown kein Pardon.

Besonders in der serbisch-nationalistischen „Republika Srpska“ räumte der 1927 in Indien als Sohn eines Kolonialbeamten geborene und in Irland auf einer Farm aufgewachsene „Paddy“ in der Vergangenheit hemdsärmlig auf. Er entließ auch schon mal mehrere Dutzend Politiker auf einen Schlag. Mitgliedern der politischen Elite der Serbenrepublik, die nur widerwillig mit der kroatisch-bosnischen Föderation kooperiert, wirft Ashdown unter anderem vor, gesuchte Kriegsverbrecher zu schützen und dunkle Geschäfte zu betreiben. Wo seine Vorgänger noch nachsichtig waren, da packt „Paddy“ lieber zu. „Als ich hier ankam“, erinnert er, „meinten die Kroaten, dass ich gegen sie bin, weil ich in Den Haag Unrühmliches über Tudjman gesagt hatte. Die Serben glaubten, ich habe etwas gegen sie, weil ich Zeuge der Anklage im Milosevic-Prozess war, und ein bosniakischer Politiker behauptete, ich sei antibosnisch.“

Kooperation zwischen allen Volksgruppen ist die Essenz seiner Politik: „Es liegt im Interesse von Bosnien-Herzegowina, dass hier eine multiethnische Gesellschaft funktioniert, wenn dieses Land zu Europa gehören will“, erklärt Ashdown, so oft er kann. Seine Gegner werfen dem Lord koloniale Selbstherrlichkeit und wenig transparente Amtsführung vor. Ihn irritiert das nicht. Sein Job sei es, so erklärt der selbstbewusste, hochgewachsene Ashdown energisch, „den Interessen von ganz Bosnien und Herzegowina zu dienen“. Durchgreifen gehört für ihn dazu.

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