Meinung : „Ich kandidiere …

Matthias Schlegel

… als Ministerpräsident zur Landtagswahl von Thüringen.“

Selbstbewusstsein gehört zu den hervorstechenden Eigenschaften des Thüringer PDS-Spitzenkandidaten. Eine reale Chance, die künftige Regierung anzuführen, hat er nicht. Aber er agitiert mit der rechnerischen: Wenn die CDU die absolute Mehrheit verfehlt und die PDS wie vor vier Jahren zweitstärkste Fraktion wird, könnte Ramelow mit Hilfe der SPD, vielleicht gar den Grünen in die altehrwürdige Statthalterei als Ministerpräsident einziehen.

Und so tingelt der 48-Jährige mit dem Slogan „Bunte Vielfalt statt schwarze Einfalt“ unermüdlich durch Thüringen. 1990 war der Gewerkschaftsfunktionär aus Hessen nach Thüringen gekommen. Erst im April 1999 in die PDS eingetreten, zog er schon im September in den Landtag ein. Dort frischte der oppositionelle Wind kräftig auf, als er 2001 den Fraktionsvorsitz übernahm. Für die Absage von SPD-Kandidat Matschie an die PDS hat Ramelow kaum mehr als Verachtung übrig: Der Sozialdemokrat müsse sich überlegen, ob er die Politik im Lande verändern oder nur einen Posten ergattern wolle.

Während sich kaum jemand in der PDS noch traut, an die selige DDR zu erinnern, entstaubt Ramelow das alte realsozialistische Mobiliar: Das Arbeitsgesetzbuch der DDR sei vorbildlich gewesen, genauso das achtjährige gemeinsame Lernen im Klassenverband, der polytechnische Unterricht oder die Polikliniken.

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