Meinung : „Ich kann die Hisbollah überzeugen“

Birgit Cerha

Aus den Trümmern des Libanons hofft Nabih Berri, Führer der schiitischen Amal und Parlamentspräsident, als neuer Held aufzusteigen. Sein politischer Bündnispartner, Glaubensbruder und Hisbollah-Chef Nasrallah, vertraut ihm. Zumindest soll Berri mit den Amerikanern über einen Austausch libanesischer Gefangener in Israel gegen die beiden entführten israelischen Soldaten verhandeln. Die Amerikaner akzeptieren ihn als Vermittler. Zunächst gibt sich Berri unbeugsam, will von einem Waffenstillstand als Teil einer groß angelegten Lösung nichts wissen. Zuerst Waffenstillstand, dann Gefangenenaustausch und alles andere später, ist Berris und Nasrallahs Position.

1938 in Sierra Leone als Sohn libanesischer Eltern geboren, gehört der Anwalt zu den Dinosauriern der Beiruter Politik. Im so oft blutigen Ränke- und Machtspiel der Levante nimmt er seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle ein. Als führender Kriegsherr und engster Verbündeter Syriens trug er einen beträchtlichen Teil zum Blutvergießen während des libanesischen Bürgerkrieges (1975 – 90) bei, insbesondere im „Lagerkrieg“ gegen die palästinensischen Guerillas der PLO.

Als Schüler des Gründers der sozialen Schiitenbewegung Amal, Imam Moussa Sadr, übernahm er nach dessen mysteriösem Verschwinden 1978 die Führung der Amal, mit dem Ziel, die traditionell schwer vernachlässigte schiitische Bevölkerungsgruppe zu politischem Einfluss zu führen. Doch mit der Gründung der Hisbollah 1982 erwuchs ihm ein mächtiger Rivale. Berri erhielt sich das Vertrauen Syriens, spielte etwa eine zentrale Rolle bei der Freilassung westlicher Geiseln. Sein Bund mit Syrien sichert ihm seit 1992 die Position des Parlamentspräsidenten, die mächtigste, die ein Schiit ausfüllen kann. Er nützte sie, um Syriens Interessen im Libanon durchzusetzen, Regierungsmitglieder, bis zu dem ermordeten Ex-Premier Rafiq Hariri, zu erpressen und auch, um sich selbst zu bereichern.

Berri hat durch die Allianz mit Hisbollah 80 Prozent der schiitischen Wählerstimmen hinter sich. Dieser Pakt steht unter dem Slogan: „Nein zur Entwaffnung des anti-israelischen Widerstandes“. Er wird in den kommenden Wochen eine zentrale Rolle in der libanesischen Krise spielen. Vorerst dürfte für ihn der Zeitpunkt noch nicht gekommen sein, Nasrallah zum Einlenken zu drängen. Dafür muss Hisbollah wohl noch an militärischer und politischer Stärke verlieren, dafür muss vielleicht noch viel mehr Blut fließen.

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