Meinung : „Ich kann nicht glauben…

Matthias B. Krause

… dass Sie mich das fragen. Natürlich nicht!“

Dabei war die Erwägung seine Rücktritts, den er so vehement zurückwies, wohl fundiert. Gerade hatte sein Klient, George W. Bush, bei den Vorwahlen im Präsidentenrennen 2000 eine deftige Niederlage gegen John McCain erlitten, weil Rove den Senator grob unterschätzte. In solchen Fällen ist es durchaus üblich, dass Kampagnenmanager von selbst den Hut nehmen. Nicht so Rove. Stattdessen machten er und Bush sich fortan einen Spaß daraus, im Tourbus die Betrunkenen zu markieren und lauthals gegenseitig ihre eigene Ablösung zu fordern.

Jetzt, fünf Jahre und zwei erfolgreiche Präsidentschaftswahlen später, ist die Frage wieder berechtigt. Die Affäre um die Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame, bei der Rove, 54, als Tippgeber einer Schmutzkampagne gegen einen Präsidentenkritiker fungierte, wird für das Weiße Haus zur immer größeren Belastung. Rove lässt derweil nur seinen Anwalt sprechen, Bush schweigt mit dem Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren. Rove darf für alle sichtbar weiterhin seinem Job nachgehen. Ob bei der Kabinettssitzung oder beim Staatspräsidententreffen, er ist stets in Hörweite des präsidialen Ohres – und damit demonstrativ im Bild.

Bush selbst nennt ihn „den Architekten“. Andere sehen in ihm den „wichtigsten Präsidentenberater seit Menschengedenken“ („Newsweek“) oder auch „Bushs Hitman“ („The Nation“), was sich als „Mann fürs Grobe“ übersetzen lässt. Dass der Präsidentensohn aus Texas es ohne ihn nie zweimal ins Oval Office geschafft hätte, bestreitet niemand. Mythenumrankt sind die Methoden, die Rove dabei anwendet. Mal werden sie als „angreifen und keine Spuren hinterlassen“ beschrieben, mal als „politisches Jiu-Jitsu“, bei dem des ihm stets gelingt, negative Energien auf den politischen Gegner umzulenken.

„Wake up, America!“ – Die Warnung des damaligen FBI-Chefs J. Edgar Hoover vor der kommunistischen Gefahr hängte Rove als Junge über sein Bett. Als Neunjähriger wollte er Präsident werden, seine Helden waren später erst Nixon, dann Reagan. Aufgewachsen in Salt Lake City, schaffte Rove über die „College Republicans“ den Einstieg. Die Gruppe, in den 60ern und 70ern eine Gegenbewegung zu den Hippies und liberalen Vietnamkritikern, träumte davon, die Macht im Land zu übernehmen. Heute sitzen viele der College-Republikaner von damals in Schlüsselpositionen.

Früh schärfte Rove seine Waffen im politischen Kampf. Als 19-Jähriger schlich er in das Büro eines demokratischen Abgeordneten in Illinois, stahl offizielles Briefpapier und verteilte Einladungen für „freies Bier, freies Essen und Mädchen und eine gute Zeit für nichts“. Nur ein Jugendstreich, sagt Rove. Doch seine politischen Gegner sehen darin Methode. Wo Rove sich einmischt, taucht alsbald Diskreditierendes auf.

Während eines Wahlkampfes in Texas behauptete er, Demokraten hätten sein Telefon verwanzt, ein unabhängiger Beweis fehlt dafür bis heute. 2004 stellten mitten im Wahlkampf Vietnamveteranen die Heldentaten von Bushs demokratischem Herausforderer John Kerry in Frage. Wie stets leugnete Rove, eine Hand im schmutzigen Spiel gehabt zu haben. Doch zumindest in der Anfangsphase finanzierte einer seiner engsten politischen Freunde die Kampagne.

Nun haben die Republikaner Schwierigkeiten, sich vor ihren genial-gnadenlosen Politstrategen zu stellen. Vielleicht, weil sie von ihm nur Angriff gelernt haben, nie Verteidigung. So, wie er das Problem McCain löste: Er streute Gerüchte, wonach der als Kriegsgefangener in Vietnam bleibende psychische Schäden erlitt und als Präsident ungeeignet sei. Doch mit solchen Tricks wird Rove seinen eigenen Kopf dieses Mal kaum aus der Schlinge ziehen.

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