Meinung : „Ich kann nicht jedes Schnitzel kontrollieren“

Henry Stern

Kaum ein Jahr ist es her, da schien es für Werner Schnappauf beruflich perfekt zu gehen: Gerade erst hatte der CSU-Politiker beim August- Hochwasser 2005 in Südbayern eine passable Figur abgegeben, schon machten Gerüchte vom bevorstehenden Karrieresprung die Runde. Der promovierte Jurist sollte Bayerns Innenminister werden, falls Edmund Stoiber nach der Bundestagswahl nach Berlin wechseln würde. Eine Nachricht, die selbst besonnene Parteifreunde zu Schweißausbrüchen trieb: „Kaum macht der mal nicht alles falsch, soll er schon befördert werden.“

Zu behaupten, der ehrgeizige Oberfranke habe viele Freunde in München, wäre in der Tat übertrieben: „Er ist vielleicht 1,60 Meter groß, macht aber Sprüche für 2,20 Meter. Und was dann rauskommt, ist höchstens 1,40 Meter“, schimpft ein Kabinettskollege. In der Ministerrunde hat Schnappauf nur einen Förderer: Edmund Stoiber. Selbst gestandene Minister machen dagegen keinen Hehl daraus, dass sie den früheren Landrat für einen politischen Windbeutel halten. In der Tat hat sich der 53-Jährige in seinen acht Jahren als Landesminister den Ruf des kamerafreudigen Aktionisten hart erarbeitet: Wenig überraschend etwa, wenn eine letzten Winter nach den ersten bayerischen Gammelfleisch-Fällen großspurig angekündigte Großrazzia nichts bringt, weil der Minister im Vorfeld unbedingt Fernsehkameras dabeihaben will. Vor Jahren bereits hatte er mit dem skurrilen Vorschlag Aufsehen erregt, Bayerns Atomkraftwerke zum Schutz vor Terrorangriffen einzunebeln. Oder zuletzt sein Krisenmanagement im Fall „Braunbär Bruno“: Zuerst vom Minister im Freistaat herzlich begrüßt, wurde das Tier schließlich nach wochenlanger Hetzjagd erschossen.

Eine besonders innige Feindschaft verbindet Schnappauf mit Parteifreund Horst Seehofer: Seitdem beide für den Verbraucherschutz zuständig sind, lässt der Bundesminister keine Gelegenheit aus, seinen Bayern-Kollegen dumm da- stehen zu lassen. Weil Seehofer dabei stets auch versteckte Angriffe auf CSU-Chef Stoiber unterstellt werden, führt dies aber nur zu ungekannter Solidarität mit Schnappauf: Die gesamte Ministerrunde stärkte dem ungeliebten Kollegen im neuesten Gammelfleisch-Fall demonstrativ den Rücken. Schnappauf selbst ist sich ohnehin keiner Schuld bewusst: Kriminelles Handeln lasse sich eben nie völlig verhindern, erklärt er. „Ich kann doch nicht jedes Schnitzel selbst kontrollieren.“

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