Meinung : „Ich komme zurück“

Thomas Roser

Am Ende des monatelangen Koalitionspokers in der Ukraine begann selbst der harte Hund aus Donezk zu menscheln. Erstmals seit der orangenen Revolution habe er das Gefühl, mit Präsident Viktor Juschtschenko „auf einer Wellenlänge“ zu liegen, bekannte der prorussische Oppositionschef Viktor Janukowitsch gar gewisse Sympathien für seinen langjährigen Widersacher. Zum Stimmungswandel hat der Ex-Premier allen Grund: Ausgerechnet sein prowestlicher Erzrivale hat dem 56-Jährigen nun den Weg in den Regierungspalast frei gemacht. Seine Wahl zum Ministerpräsidenten gilt trotz Rangeleien um Ministerposten als Formsache.

Noch vor Jahresfrist hatte kaum jemand mit dem Comeback des Revolutionsverlierers von 2004 gerechnet. Der Volksaufstand gegen den Wahlbetrug hatte ihm damals den Sieg bei den verfälschten Präsidentenwahlen gekostet. Statt Janukowitsch zog der von einem Giftanschlag gezeichnete Juschtschenko in den Präsidentenpalast, Premier wurde die Revolutionsikone Julia Timoschenko. Doch der Ex-Boxer zeigte erstaunliche Steherqualitäten. „Ich komme zurück“, kündigte er schon im Mai 2005 an.

Ellbogen musste der im ostukrainischen Donbass-Revier geborene Sohn eines Metallarbeiters schon in seiner Kindheit einsetzen. Zwei Jahre war er alt, als seine Mutter starb. Später wuchs er bei der Großmutter auf. In jungen Jahren kam der zwei Meter hohe Hüne mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt, saß Ende der 60er Jahre zweimal für kurze Zeit im Gefängnis ein.

Den Lebenstraum des Ausbruchs aus der Armut erarbeitete er sich als Kraftfahrer, später als Direktor von Speditionsunternehmen. Seine politische Karriere hatte er dem engen Kontakt zum Industrie-Oligarchen Rinat Achmetow zu verdanken. Sein Förderer verhalf ihm 1997 zum Posten des Gouverneurs des Oblast Donezk.

Zum Hoffnungsträger der russischsprachigen Regionen des Landes sollte er erst nach der Revolution werden. Während sich deren Erben zerfleischten, gelang es ihm, seine Partei der Regionen als Anwalt des Ostens zu positionieren. Vor der Parlamentswahl im März heuerte er Marketingexperten aus den USA an, die ihn als tatkräftigen Gegenpol zum zögerlichen Präsidenten präsentierten. Neue Zerwürfnisse im dessen orangenen Lager haben ihm nun die Früchte seines Wahlsiegs beschert. Das Wichtigste sei nun die „Stabilisierung“ des Landes, verspricht der Premier seinen Landsleuten politisch ruhigere Zeiten.

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