Meinung : „Ich lasse mich nicht gleich umpusten“

Armin Lehmann

Bei der letzten Wahl in Hamburg, die die SPD verlor, war Mathias Petersen im Kompetenzteam von Spitzenkandidat Thomas Mirow. Petersens Auftritte begannen stets damit, dass er sich das Jackett auszog und dann die Hemdsärmel hochkrempelte. Wenige Stunden nachdem die Wahl verloren gegangen war und Ole von Beust mit absoluter Mehrheit die Stadt regieren durfte, die seit Jahrzehnten sozialdemokratische Hochburg war, erklärte der gelernte Mediziner hemdsärmelig: Er traue sich zu, die SPD zu führen. Und seine Ärmel sagten: Ich will Spitzenkandidat werden.

Nun haben wir 2007, ein Jahr ist es bis zur nächsten Wahl, und eigentlich wollte Petersen sich im Februar zum Spitzenkandidaten küren lassen, nachdem er als Landeschef mit 88 Prozent bestätigt worden war. Doch der Landesvorstand hat ihm das Misstrauen ausgesprochen und beschlossen, er müsse sich einer Urwahl stellen, in der er gegen die eher unbekannte Dorothee Stapelfeldt antreten muss. Was ist da los? Und warum reden jetzt viele nicht über Petersen und Stapelfeldt, sondern lieber über Henning Voscherau, den ehemaligen Ersten Bürgermeister, der die Stadt von 1988 bis 1997 regierte?

Petersen, 51, sieht dem Übervater ähnlich, die Augen, der Mund, der feine hanseatische Gesichtsausdruck. Manche sagen sogar, Petersens Eitelkeit sei auch fast so groß wie die von Voscherau, während man von Voscherau wiederum sagt, seine Eitelkeit sei fast so groß wie sein Gestaltungswillen. Und der sei sehr groß.

Petersen möchte sehr gerne ein Voscherau werden und will sich deshalb „nicht gleich vom ersten Sturm umpusten lassen“. Nur leider hat er bisher nichts dafür getan, dass man es ihm auch zutrauen würde. Im Gegenteil. Er hat seine Partei verschreckt und ihr Vertrauen geraubt: mit der Forderung Namen und Adressen von Sexualstraftätern zu veröffentlichen, mit dem Rausschmiss des beliebten Landesgeschäftsführers der Partei Ties Rabe, mit seinem Beschluss, man möge ihn jetzt zum Kandidaten küren. Seine wenigen Befürworter sagen, er sei unbeirrbar, seine Kritiker finden ihn beratungsresistent. Einer sagt: „Petersen sollte ein Kandidat sein, der wächst, aber das Wachstum hat nicht begonnen.“

Bleiben zwei Varianten: Entweder Petersen gewinnt die Ausscheidung und damit endlich Profil. Oder Voscherau hilft der SPD, von Beusts absolute Mehrheit zu knacken. Nach Stoibers Motto: „Ich kann, muss aber nicht.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben