Meinung : „Ich misstraue dem Kult …

Moritz Schuller

… des Ruhmes. Was zählt, ist die wirkliche Arbeit.“

Manche brauchen nur 18 Minuten: So lange sprach der 43-jährige Senatskandidat Barack Obama aus Illinois auf dem demokratischen Parteitag im Juli, danach war er ein politischer Star. Seit gestern repräsentiert der Rechtsanwalt auch noch seinen Staat im amerikanischen Senat, als derzeit einziger Schwarzer in dem hundertköpfigen Gremium. An einem Wahltag, an dem die Republikaner ihre Machtposition im Senat dramatisch ausbauen konnten – und sogar Tom Daschle, der demokratische Minderheitsführer im Senat, seinen Sitz verlor – zählt Obamas Sieg doppelt, so viel sogar, dass er nun als erster schwarzer Präsident der USA gehandelt wird.

„Mein Name kommt aus Kenia, mein Akzent aus Kansas“, rief Obama im Wahlkampf immer wieder. Und in der Tat ist sein Lebensweg komplexer als der eines schwarzen Aufsteigers: Sein Vater, ein kenianischer Student, lernte seine Mutter, eine Weiße aus Kansas, auf Hawaii kennen. Später heiratete die Mutter erneut und zog nach Indonesien, wo ihr Sohn nicht nur die Bibel zu lesen bekam, sondern auch den Koran. Mit zehn ging Barack Obama in die USA zurück, wohnte bei seinen Großeltern auf Hawaii und wurde ein Problemkind. „Junkie. Kiffer. Auf diesem Weg war ich.“ Stattdessen landete der „dünne Jungspund mit dem komischen Namen“, wie er sich selbst nennt, an der Harvard University und wurde schließlich sogar als erster Farbiger Herausgeber der angesehenen „Law Review“.

„Barack“ bedeutet auf Suaheli „Segen“, und längst empfindet die demokratische Partei den gut aussehenden Vater zweier Töchter als genau das: Denn Obama spricht nicht nur die afro-amerikanische Wählerschaft an, die stand zu 89 Prozent ohnehin hinter dem demokratischen Präsidentschaftskandidat Kerry, sondern auch die liberalen weißen Mittelschichten. „Es gibt nicht ein schwarzes und ein weißes Amerika und ein Amerika der Latinos und ein asiatisches Amerika, es gibt die Vereinigten Staaten von Amerika“, hatte Obama den jubelnden Demokraten auf dem Parteitag zugerufen.

Der politische Weg dürfte für den Hoffnungsträger nun schwieriger werden: Für sein Ziel, die Zahl der Krankenversicherten in Amerika zu erhöhen, besteht im weiterhin republikanisch dominierten Kongress keine Mehrheit. Zudem ist der ehemalige State Senator und Verfassungsrechtler an der University of Chicago kaum vertraut mit dem politischen Geschäft in der Hauptstadt. „Ich habe harte Ellbogen“, verspricht Obama. Schafft er es, die meisten der in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen, könnte er durchaus im Weißen Haus landen. Vielleicht auch schon in vier Jahren – als Vize einer demokratischen Präsidentin Clinton.

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