Meinung : Ich oder wir

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Manchmal ändern sich Situationen so schnell, dass selbst die ach so fixen SPD-Wahlkämpfer das Nachsehen haben. Am Sonntag kommt die SPD zu ihrem Wahlparteitag in Berlin zusammen, 524 Delegierte werden erwartet, das Regierungsprogramm 2002–2006 möchte beschlossen werden. Nicht ganz unwichtig also. Vielleicht die letzte Gelegenheit, Begeisterung in der SPD wachzurufen. Doch dafür bleiben genau fünf Stunden Zeit: „11 Uhr Eröffnung und Begrüßung, 16 Uhr Schlusswort“, verheißt der Ablaufplan – der kürzeste SPD-Parteitag aller Zeiten. Zwischen elf und vier Uhr gibt es vor allem eines: Gerhard Schröder. Dieser Parteitag wurde geplant, als die SPD-Strategen den Wahlkampf noch als One-Gerd-Show inszenieren wollten. Dass man mit der plumpen Frage „Der oder ich?“ weder Wähler noch Basis wachrüttelt, hat man inzwischen verstanden. Die Basis braucht Inhalte, nicht nur Schröder. Sie muss in den Fußgängerzonen erläutern, wofür die SPD vier weitere Jahre braucht. Erste Ansätze für eine kluge inhaltliche Zuspitzung im SPD-Wahlkampf sind jetzt zu erkennen. Vielleicht zu spät. Am Sonntag könnte der Druck auf Schröder nicht größer sein. Er muss im alten Gewand der Ein-Mann-Show die neue Losung verkünden. Er muss die Wandlung zum Programmkanzler schaffen. Vorwärts. mfk

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