Meinung : „Ich plane eine russische Revolution“

Jens Mühling

Da rasselt einer so laut mit dem Säbel, dass zwischen London und Moskau allen die Ohren klingeln. Boris Beresowski, Londoner Politasylant und Intimfeind Wladimir Putins, plant nach eigenen Worten einen gewaltsamen Umsturz in seiner russischen Heimat. Ähnliches hatte der exilierte Tycoon zwar bereits vor einem Jahr im russischen Radio erklärt, im Gespräch mit dem britischen „Guardian“ ging er nun aber noch weiter: Da dem Putin-Regime auf demokratischem Wege nicht mehr beizukommen sei, arbeite er an einer gewaltsamen Palastrevolte. Bereits jetzt stünden hochrangige Politiker aus Putins engstem Umfeld auf seiner Gehaltsliste.

Zumindest finanziell ist Beresowskis Schlagkraft kaum anzuzweifeln: Von seinem auf 1,3 Milliarden Euro geschätzten Vermögen zehren in London diverse Politflüchtlinge. Der tschetschenische „Untergrundaußenminister“ Achmed Sakajew soll ebenso dazugehören wie zahlreiche FSB-Renegaten – darunter bis zu seiner Ermordung auch Alexander Litwinenko.

Erworben hat Beresowski seinen Reichtum durch Privatisierungsdeals in der Nachwendeära, als er noch Teil der sogenannten „Familie“ war, der Jelzin’schen Macht-Entourage aus Politikern und Wirtschaftsmarodeuren. Mit seinem Medienimperium bereitete Beresowski damals den Boden für Jelzins Wiederwahl, stützte später aber auch massiv dessen Machtübergabe an Wladimir Putin. Erst als dieser die „Familie“ zerschlug, flüchtete Beresowski nach London und entwickelte jenen abgrundtiefen Hass auf Russlands Präsidenten, der ihn bis heute antreibt.

Auf seine gestrige Attacke reagierte Moskau prompt: Lautstark erneuerte die Staatsanwaltschaft ihre Forderung nach der Auslieferung Beresowskis, dem in Russland Steuerhinterziehung, Geldwäsche und die Finanzierung tschetschenischer Terroristen zur Last gelegt werden. Der Kreml ließ verlauten, man wolle „glauben, dass London niemandem Asyl gewährt, der gewaltsam an einem Regimewechsel in Russland arbeitet“.

Tatsächlich begibt sich Beresowski mit seinem Angriff auf dünnes Eis. Bereits nach dem Radioauftritt im Vorjahr hatte der damalige Außenminister Straw gewarnt, derartige Drohungen könnten seine Auslieferung zur Folge haben. Ein Gericht bestätigte dann allerdings Beresowskis Asylstatus. Auch jetzt wähnt sich der 61-Jährige auf der sicheren Seite: Dem „Guardian“ sagte er, nach der Ermordung Alexander Litwinenkos sei an seine Auslieferung erst recht nicht mehr zu denken.

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