Meinung : „Ich sage nur: danke, danke, danke“

Christoph von Marschall

Hat jemand geglaubt, der Hype um die „New Economy“ sei vorbei, nachdem sich Millionen Anleger weltweit die Finger verbrannt haben? Fünf Jahre nach der Talfahrt der Börsen lässt sich mit der Spekulation auf einen weiteren Internetboom wieder prächtig Geld verdienen. Die Erfinder von Youtube, einer Internetbörse für Videos, sind vor ihrem 30. Geburtstag zu Multimillionären geworden, nur anderthalb Jahre nach Gründung des Portals.

Sie haben die Webseite laut „New York Times“ zur „begehrtesten der Welt“ gemacht. Die Manager der Internetsuchmaschine Google kaufen Youtube nun für 1,65 Milliarden Dollar. Es ist die moderne Version des amerikanischen Traums vom Tellerwäscher zum Millionär: Findige Computer-Kids gründen in der Garage eine Firma, die binnen kurzem zu einer Weltfirma aufsteigt, so wie es Bill Gates mit Microsoft vormachte.

Chad Hurley, heute 29, hatte Design in Pennsylvania studiert und die späteren Youtube-Mitgründer Steve Chen und Jawed Karim, beides studierte Computerspezialisten, bei der gemeinsamen Arbeit für Paypal kennengelernt. Die Firma in Kalifornien ist der größte Dienstleister für Zahlungen im Internet. In der Freizeit schauten die drei Videos im Internet und ärgerten sich, dass man verschiedene Programme braucht, um sie zu öffnen. Nach einer Party entstand die Idee: eine Webseite, auf die jeder Videoclips stellen und auch jedes Angebot dort mit einem Mausclick öffnen kann. Im Februar 2005 gründeten sie Youtube in San Mateo, Kalifornien, in einer Garage. Im November investierte Sequoia Capital, eine aggressive Risikokapital-Firma, 3,5 Millionen Dollar in die Idee und die Technik, im April 2006 folgten weitere acht Millionen für den Ausbau. Angeblich werden inzwischen täglich 100 Millionen Videoclips über Youtube angeschaut, die meisten Nutzer sind Jugendliche.

Der Kauf ist eine Wette auf die Zukunft. Google erwirbt den Zugang zu einer rasch wachsenden Zahl junger Nutzer. Aber es handelt sich auch ungeklärte Copyright-Konflikte und kostspielige Prozesse ein. Der Kaufpreis ist das kleinere Problem, Googles eigener Wert an der Börse hat 132 Milliarden erreicht. Chad Hurley und Steve Chen wandten sich – was sonst – in einem Videoclip auf Youtube an ihre Kunden, dankten vielmals für die Treue und versprachen, weiter den besten technischen Service anzubieten. Dann lachen sie ausgelassen und drehen ab.

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