Meinung : Ich schreibe, also bin ich

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Dem Deutschen ist die Autobiographie traditionell eher fremd. Bekenntnisse, Beichten gar, eines Augustinus oder Petrarca, sucht man vergeblich. Literaturhistorisch ist der Deutsche verschämt. Goethes „Dichtung und Wahrheit“ oder auch „Mein Jahrhundert“ von Günter Grass sind kaum als reine Formen der Gattung zu bezeichnen. Geheimnisse oder sogar Schweinkram geben sie nicht preis. Der Engländer ist da anders: Kinderbuchautor Roald Dahl gestand in seiner postum veröffentlichen Autobiographie, Kinder zu hassen. Und der konservative Abgeordnete Alan Clark erzählte von einer Affäre, die er mit einer verheirateten Frau und gleichzeitig mit ihren beiden Töchtern hatte. Der Vergleich mit Frankreich fällt ähnlich aus: Von dort kam „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, aus Deutschland „Mein Kampf“. Nach zwei erfolgreichen Neuerscheinungen – von Bohlen und Effenberg – ist nun aber Bewegung in die deutsche Autobiographie gekommen. Und da jetzt auch Uschi Glas ankündigt, ihre Memoiren auf den Markt zu bringen, findet die deutsche Selbststilisierung und Selbstdeutung endlich auch schriftlich statt. So ist Deutschland nun auch literarisch ganz bei sich.mos

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