Meinung : „Ich stehe für das Prinzip der Kooperation“

Anselm Waldermann

Wenn es einen Mann des Ausgleichs gibt, dann ihn. Überall dort, wo sich die Großen der Wirtschaft mit den Kleinen anlegen, ist es sein Job zu vermitteln. Zwischen Telekom und alternativen Anbietern, zwischen Stromkonzernen und Stromhändlern: Matthias Kurth ist immer dann gefragt, wenn es irgendwo in Deutschlands Netzen hakt. Und natürlich darf er dabei als Präsident der Bundesnetzagentur keinen der Kontrahenten vor den Kopf stoßen.

Insofern unterscheidet sich seine aktuelle Aufgabe nicht wesentlich von den bisherigen: Er muss dafür sorgen, dass es auf dem Gasmarkt endlich echten Wettbewerb gibt. Denn wie früher beim Telefon und beim Strom sind die Kunden hier immer noch an ihren örtlichen Monopolisten gebunden.

In bewährter Manier holte der ehemalige Richter alle beteiligten Parteien an einen Tisch: die etablierte Gaswirtschaft, Stadtwerke, Energiehändler, Verbraucherschützer, Industriekunden. Und wie immer scheinen nun alle mit dem von ihm vorgelegten Kompromiss leben zu können. Demnach wird der Gasmarkt ab dem 1. Oktober geöffnet. Neue Anbieter sollen eine echte Chance erhalten, Privatkunden mit Gas zu beliefern – und die haben endlich die freie Wahl.

Aber Kurth wäre nicht Kurth, wenn er nicht auch die Vorteile für die alteingesessenen Gasunternehmen betonen würde: „Für sie eröffnen sich ebenfalls neue Absatzwege. Die Beschränkung auf das angestammte Versorgungsgebiet kann durchbrochen werden.“ Mit anderen Worten: Die Gasag kann ihr Gas nun auch in München anbieten – wenn sie nur will. Für die Verbraucher ist das durchaus ein Grund zur Freude. Mehr Wettbewerb hat eine dämpfende Wirkung auf die Preise.

Kurth hingegen sieht darin nicht sein Hauptanliegen. Er ist schließlich Chef einer Behörde – und damit neutral. Vorschnelle Spekulationen über mögliche Preissenkungen versagt er sich, um die Gasversorger nicht unnötig unter Druck zu setzen. Sein Kredo ist vielmehr das „Prinzip der Kooperation“. Wenn alle an einem Tisch sitzen, dann werde dies von ganz allein dazu beitragen, „das Klima zwischen Anbietern und Verbrauchern zu verbessern“.

Spektakulär klingt das nicht gerade. Dass die Methode trotzdem erfolgreich ist, hat Kurth auf den liberalisierten Telefon- und Strommärkten bewiesen. Es wäre verwunderlich, wenn ihm das nicht auch auf dem Gasmarkt gelänge.

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